Mitten im Steilhang bildet der Jesuitenberg einen schmalen Streifen

Wawerner Jesuitenberg

Der Wawerner Jesuitenberg ist ein schmaler Streifen innerhalb des Weinbergs „Wawerner Ritterpfad“. Der Name Jesuitenberg geht auf einen kirchlichen Ursprung zurück. Schon seit 1994 wird die Lage beim Ort Wawern vom Kanzemer Weingut Dr. Frey biologisch bewirtschaftet. Dadurch hat dieser Streifen auf umfassende Weise ein eigenes biologisches Innenleben gebildet. Auf dem lehmigen, steinigen und skeletthaltigen roten Schieferhängen fühlen sich Eidechsen und die seltenen Ödlandschrecken wohl.

Erforschung nachhaltiger ökologischer Anbaumethoden

Das Weingut Dr. Frey engagiert sich auch in der Weiterentwicklung ökologischer Anbaumethoden. Dazu wurde eine Kooperation mit Forschern der Universität Trier gestartet, um neuartige ökologische Anbaumethoden zu testen. Dabei nimmt das Weingut zusammen mit der Uni Trier am „Diverfarming“-Projekt der Europäischen Union teil. Bei diesem Projekt gilt es neue diversifizierte Anbaumethoden zu erforschen. Im Anschluss sollen diese Methoden bereit zum fläschendeckenden Einsatz in der Praxis gemacht werden.

„Diverfarming“ Erforschung nachhaltiger Weinkultivierung

Im Weinbau gibt es seit dem Klimawandel vermehrte Probleme mit der Wasserverfügbarkeit in den Weinbergen. Die langen Trockenperioden sorgen dafür, dass Winzer häufig ihre Weinberge wässern müssen oder gar Bewässerungssysteme installieren.

Wenn Reben zu lange unter Trockenstress leiden, kann dies nicht nur zu Mengeneinbußen, sodern auch zu Qualitäseinbußen führen. Der Trockenstress kann ungewollte Bitternoten im Wein verursachen. Gleichzeitig kommt es mit dem Klimawandel zu häufigeren Extremwetter-Ereignissen. Starkregen kann dazu führen, dass die durch die Trockenheit weniger gefestigten Böden den Steilhang hinunter gespült werden.

Neue Herausforderungen im Weinbau

Im Weinbau gilt es u.a. Lösungen für oben genannte Herausforderungen zu finden. Die sechs Hauptziele des „Diverfarming“ können zur Verbesserung des ökologischen Weinbaus in Zeiten des Klimawandels beitragen. Es werden folgende Ziel genannt:
  1. Entwicklung neuer Systeme (Anbaumethoden)
  2. Nutzenstudie (Einfluss des „Diverfarming“ auf Bodenfruchtbarkeit, Wasserverfügbarkeit, Erosion etc.)
  3. Folgenabschätzung
  4. Modellentwicklung (Wie beeinflussen die „Diverfarming“-Anbausystem die Bodenproduktivität und das Boden-Pflanzen-System?)
  5. Systembewertung (wirtschaftliche Auswirkungen des „Diverfarming“)
  6. Kommunikation und Verbreitung (der neuen Methoden)

„Diverfarming“ im Wawerner Jesuitenberg

Im Bio-Weinanbau ist die Pflege der Böden eine zunehmende Herausforderung. Im konventionellen Anbau wird unterhalb der Rebstöcke z.B. das umstrittene Spritzmittel Glyphosat eingesetzt. Da dies im Bioanbau nicht möglich ist, werden aufwendigere und teurere Praktiken eingesetzt. Das „Diverfarming“-Testprojekt am Wawerner Jesuitenberg setzt genau dort an.

Schließlich wird im Wawerner Jesuitenberg derzeit der Mehrfruchtanbau bei der Bewirtschaftung der Weinbergsfläche erforscht: Es werden mehrere unterschiedlichen Nutzpflanzenarten nah aneinander gemeinsam gepflanzt und bewirtschaftet. Das Grundmodel wurde schon im 15. Jahrhundert in Sachsen getestet. Dort wurden noch Erdbeeren in den Weinbergen gepflanzt.

Im Steilhang des Wawerner Jesuitenbergs wird dagegen mit Kräutern zwischen den Rebstöcken experimentiert. Der Hang ist an der Oberfläche durch eine steinige Lehmschicht bedeckt. Die enge ökologisch bewirtschaftete Rebzeile des Weinbergs hat schon zuvor das ein oder andere Wildkraut angelockt. Daran haben sich die Freys orientiert und verwandte Kräuter angepflanzt. Die Wahl fiel auf Oregano und Thymian. Hinzu kommt der grieschiche Bergtee. In Zukunft ist es geplant neben den Weinen auch Vermarktungsversuche für die Kräuter zwischen den Reben zu starten.

In den Weinbergszeilen des Wawerner Jesuitenbergs werden auch bewusst Kräuter angepflanzt.

Oben: Forschungsequipment im Weinberg links & Kräuter auf rotem Schiefer an Rebe rechts.

Geologie

Die Kräuter und Reben wachsen auf einem Weinberg auf dem schon an der steinigen sowie lehmigen Oberfläche überall der rote Saarschiefer sichtbar ist. Dieses Schiefergestein unterscheidedet sich vom klassischen Schiefer der Mittelmosel durch seinen sehr hohen Eisengehalt. Gleichzeitig verläuft unter dem Weinberg eine Quarzitader. Auch Quarzite fallen durch eine Besonderheit auf. Die Quarzite am Jesuitenberg sind  eisenhaltig und daher rötlich gefärbt. Ansonsten kennt man diese Quarzite vor allem in weißer Farbe. Solche Gesteinszusammensetzungen findet man auch am etwas kühleren Wiltinger Scharzhofberg.

Das rote Gestein des Weinbergs an der Saar ist sehr eisenhaltig. Der Stein befindet sich in den Händen vom Winzer Cord Treseler.

Oben: Eisenhaltiger roter Saarschiefer

Quarzitgestein vom Wawerner Jesuitenberg an der Saar, Hände der Winzers Cord Treseler

Oben: Quarzitgestein vom Jesuitenberg

Bewirtschaftung des Steilhangs durch das Weingut Dr. Frey

Die Böden und die Bewirtschaftung beeinflussen den Stil der Weine entscheidend mit. Der Weinberg wird beinahe ausschließlich per Handarbeit bewirtschaftet. Die große Steigung kann die Arbeit in den kühlen Wintermonaten und an den heißen Sommertagen zusätzlich erschweren. Außerdem wird aufgrund der Qualitätsfokussierung auf niedrige Erträge gesetzt. Diese liegen in einigen Jahren sogar deutlich unter 30 Hektoliter pro Hektar. In den vergangenen zehn Jahren lag der durchschnittliche Ertrag pro Hektar für Riesling in Deutschland mindestens bei 58,4 Hektolitern.

Mikroklima

Der Wawerner Jesuitenberg liegt in einem etwas wärmeren Seitental der Saar am Saarkanal. Dieser Steilhang befindet sich nordöstlich des Ortes Wawern. Durchschnittliche Jahrtemperaturen von 10,6°C und knapp 1600 Sonnenstunden im Jahr sorgen für ein ausreichendes Reifepotential. Dennoch besteht gerade in den unteren Parzellen, in denen der Weißburgunder gepflanzt ist eine erhöhte Gefahr von Frühjahrsfrösten. Oberhalb wird der Weinberg durch eine über 100 Jahre alte Mauer und den Wald vor Winden geschützt.

Auf einer Mauer am Wawerner Jesuitenberg des Weingut Dr. Frey findet man diese schönen Steine

Besucher haben Figuren aus Stein auf der Mauer oberhalb des Weinberges gebaut.

Weine vom Wawerner Jesuitenberg

Die Weine vom Jesuitenberg zeichnen sich durch dezente Fruchtnoten und Trockenfruchtaromen aus. Dabei geben die Quarzite den Weinen eine leicht verstärkte Betonung tropischer Früchte. Inbesondere beim Abgang ist eine komplexe Vielfalt an kräutrigen, mineralischen und salzigen Aromen schmeckbar. Dank des roten Saarschiefers und des etwas kühleren Klimas fehlt es nie an der notwendigen Säure, um den Weinen die notwendige Spannung für großartige Weine zu geben. Folglich entstehen auf dem Wawerner Jesuitenberg sehr gut strukturierte Weine.

Die Rieslinge weisen selbst im trockenen Bereich eine gute Lagerfähigkeit aus. Gerade durch die einzigartige Geologie, die Vielfalt des Bodenlebens und die auf Topqualität fokussierten Ausbaumethoden des Weinguts Dr. Frey aus Kanzem, entstehen selbst im trockenen Bereich äußerst langlebige Weine, die das Terroir estrem präsise wiedergeben. Der Charakter und der Stil des Weingutes kommt nach einigen Jahren Reife in der Flasche noch deutlicher hervor.