Auf der anderen Seite gegenüber des Nitteler Leiterchen an der Obermosel befindet sich Luxemburg.

Obermosel & Moseltor – Muschelkalk statt Schiefer an der südlichen Weinmosel

Mit dem Moselwein ist gewöhnlich die Vorstellung von Riesling-Weinen verbunden, die auf Schieferböden angebaut werden, sei es an der Mosel, an der Saar oder an der  Ruwer. An der Obermosel und dem Moseltor bestehen die Böden hingegen aus Muschelkalk. Dort werden neben dem klassischen Elbling viele Burgunderrebsorten angebaut. Bekannt ist diese Region für ihre Schaumweine, da deren Böden denen der Champagne ähneln.

Die südliche Weinmosel erstreckt sich von der Mündung der Saar in die Mosel bis zur westlichen Grenze mit Frankreich. In Deutschland beginnt westlich der Saarmündung am südlichen Ufer in Wasserliesch und am nördlichen Ufer in Igel jeweils die Obermosel. Die Fläche dieses Bereiches beträgt 746 Hektar. Ähnlich wie an der gesamten Mosel ist dieser Bereich ständigen Veränderungen entworfen. Auch hier gibt es immer mehr Winzer, die verstärkt qualitätsfokussiert Weine herstellen.

Wenn man sich auf der nördlichen Seite der Mosel von Igel aus weiter nach Westen bewegt, gelangt man zu einem weiteren Seitenarm der Mosel. Es handelt sich um die Sauer. Sie stellt gleichzeitig einen Grenzfluss zu Luxemburg dar. Bei Grenzübertritt gelangt man in den luxemburgischen Ort Wasserbillig. Dort nimmt der luxemburgische Weinbau seinen Anfang. Von nun an findet man am Nordufer der Mosel die Weinberge Luxemburgs und am Südufer die Weinberge Deutschlands fortlaufend gegenüber.

Weinberg, Grenze, drei Orte, bewälkter Himmel, Sonnenuntergang am Dreiländereck von Deutschland, Luxemburg und Frankreich

Perler Hasenberg am Dreiländereck: Der Weg vor dem Weinberg stellt die deutsch-französische Grenze dar; oben rechts erkennt man einige Perler Häuser; vorne links erblickt man den französischen Ort Apache und im Hintergrund das luxemburgische Schengen.

Am Dreiländereck, also an der Stelle, wo das luxemburgische und deutsche Moselufer im Westen auf Frankreich treffen geht das binationale Weinbaugebiet in ein Trinationales über. Am luxemburgischen Ufer liegt dort der Ort Schengen. In Schengen wurde im Jahr 1985 die Abschaffung von Grenzkontrollen innerhalb der EU beschlossen. Dieses Abkommen war ein wichtiger Schritt zur Schaffung der EU. Heute gibt es in dieser Region einen regen Grenzverkehr. Häufig pendeln Franzosen oder Deutsche zur Arbeit nach Luxemburg. Luxemburger kommen zum Einkaufen nach Frankreich und Deutschland. Oft besucht man aber auch einfach nur den Winzer von nebenan, um sich ein Gläschen Wein zu gönnen.

Folglich befindet sich am deutschen Ufer der Ort Perl am Dreiländereck. Der französische Ort Apache liegt direkt neben dem Ort Perl an der deutsch-französischen Grenze.

Die deutschen Orte Perl, Sehndorf und Nennig bilden zusammen das Moseltor. Mit gerade einmal 125 Hektarn, sechs Weinbergen und drei Dörfern ist dieser Bereich der Kleinste an der Mosel. Das Moseltor liegt im Gegensatz zur restlichen Mosel nicht in Rheinland-Pfalz, sondern im benachbarten Saarland. Selbst viele Saarländer wissen nicht, dass es in diesem Bundesland ein Stück Mosel und damit ein Weinanbaugebiet gibt.

Weinblatt

Burgunder-Rebe

Rebsorten

Auch an der Obermosel wurde schon zu römischen Zeiten Wein angebaut. Heute sind rund 700 Hektar mit Reben bestockt. Davon sind 450 Hektar Elbling. Diese Rebsorte, im Lateinischen „uva alba“ genannt, wurde wahrscheinlich von den Römern an die Mosel gebracht. Bis zum 18. Jahrhundert war diese Rebsorte an der gesamten Mosel weit verbreitet. Dann erließ der Trierer kirchliche Kurfürst Wenzeslaus im Jahr 1787 eine Verordnung, nach der der Riesling die alteingesessenen Rebsorten ersetzen sollte. Die Obermosel war von diesem Erlass jedoch ausgenommen. Dort hatte der Erlass nur einen Empfehlungswert, da die Region auch unter Einfluss Frankreichs und dem Einfluss des Großherzogtums Luxemburgs stand. So bestand der Elblinganbau dort bis heute fort.

Da der nationale und der internationale Trend jedoch klar zu den bekannten französischen Rebsorten oder dem Riesling geht, hat sich der Elblinganbau an der Obermosel in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anbaufläche von Auxerrois beinahe verzehnfacht. Die Anbaufläche des Chardonnay hat sich hingegen vervierzehnfacht. Auch wenn sich das Tempo verlangsamt hat, wird sich diese Entwicklung fortsetzen.

Neben den zuvor genannten Rebsorten gibt es Weinberge  mit den Weißweinrebsorten Rivaner, Ruländer, weißer Burgunder, Auxerrois oder Chardonnay. Die wichtigsten Rotweinrebsorten sind Spätburgunder und Dornfelder. Gerade die Flächen von weißem Burgunder, Ruländer, Auxerrois und dem Spätburgunder sind gewachsen.

Muschelkalk

Muschelkalk am Moseltor

Boden

Bekannt unter der Bezeichnung „Muschelkalk“ findet man an der Obermosel Dolomitgesteine und Mergel. Die Entstehung des Muschelkalks begann vor 243 Millionen Jahren. Damals gab es das Muschelkalkmeer. Dieses lag am Rande des Tethys-Meeres, aus dem heraus sich später die Alpen bilden sollten. In dieser geologischen Epoche war die heutige Obermosel als Teil der Trierer Bucht vom sich aufwölbenden Schiefergebirge getrennt. Die Flüsse, die Sedimente an die Mittelmosel oder zur Wittlicher Senke transportierten, reichten aufgrund des Wüstenklimas nicht bis zu den Muschelkalkböden der Trierer Bucht. Stattdessen lagerten sich in der maritimen Umgebung kalkreiche Tone, feine Sande sowie Schluffe ab. Diese sind als Mergel bekannt. Es kam auch zu Ablagerungen von Salzen und Gipsgesteinen.

Vor 238 Millionen Jahren entstanden die eigentlichen Muschelkalkablagerungen. Erst entstanden dabei die Dolomitbänke. Dolomite sind Kalksteine, die durch Calcium und Magnesium stabiler werden. Darunter lag der Mergel. Dieser war von Dolomit überdeckt.

Vor 200 Millionen Jahren war das Zeitalter des Keupers. Es lagerten sich bunte Mergel neben Dolomiten und Gipsgesteinen ab. Diese Gesteine vermischten sich im Laufe der Zeit. So entstanden die heutigen Muschelkalkböden. Sie haben einen hohen Kalkgehalt und liefern den Reben genügend Nährstoffe.

Muschelkalk und Gesteine im Weinberg

Muschelkalk mit Lehm und Kieselbestandteilen an der Obermosel

Mosel mit Weinbergen Deutschlands und Luxemburgs an beiden Seiten; ein Ort im Hintergrund mit bewölktem Himmel

Moselschleife bei Wincheringen: Links deutsches Ufer; rechts luxemburgisches Ufer und Ort Wormeldange-Haut

Weine

Durch diese Böden erhalten die Weine ein eigenes Profil. Insbesondere blumige Noten treten hervor. Fruchtnoten wie z. B. Apfel, Quitte oder tropische Früchte treten dezenter hervor. Neben kräutigen Noten lassen sich auch Noten von Gemüse schmecken wie z. B. Kohlrabi. Die Region ist insbesondere für seine Schaumweine bekannt. Besonders die Crémants stechen dabei hervor. Die besten Crémants können sicherlich mit guten Champagnern mithalten.

Weinbaukarte der Obermosel des Moseltores

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