Blick vom deutschen Perl auf die Weinberge Luxemburgs beim Sonnenuntergang: Dreiländereck.

Luxemburg – Wein-Synthese am Dreiländereck

Die Mosel anders interpretiert

Genauso wie an der gegenüberliegenden südlichen Weinmosel war der Ausbau von Massenweinen weit verbreitet. Die luxemburgische Weinwirtschaft ließ sich schließlich vom französischen und deutschen Spitzenanbau beeinflussen und erweiterte damit ihren eigenen Stil bei gleichzeitig ständig steigender Qualität1.

Steilhang aus Muschelkalk

Der Muschelkalk des Pariser Beckens stellt die Grundlage des Terroirs dar. Daneben finden sich auch Keuper, genauso wie Elemente von Sand, Löss und Lehm.  Die besten Hänge sind von Südosten bis hin nach Südwesten ausgerichtet und ermöglichen maximale Qualitäten. Es sind vor allem Steilhänge2.

Luxemburg-Wein: Von Elbling zu Riesling & Crémant

Früher war die dominierende Rebsorte der Elbling. Eine seltene Mutation davon ist der sogenannte „Rote Elbling“, welcher in Luxemburg entdeckt wurde. Heute schaffen die Weingüter aus Elbling, Chardonnay und weiteren französischen Rebsorten herausragende Crémants. Und auch die Riesling-Weine dürfen nicht unterschätzt werden.

Bekannte Lagen Luxemburgs

Wormeldange Koeppchen
Herkunft von komplexem Crémant
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Ahner Palmberg
Luxemburgisch mediterranes Mikroklima - Hier fühlt sich der Buchsbaum wohl!
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Weinanbau zwischen Frankreich und Deutschland

Wer die Grenze von Deutschland nach Luxemburg überquert, macht dies oft an der Mündung der Sauer zur Mosel. An der Sauer beginnt auch das luxemburgische Weinanbaugebiet. In diesen Gebieten entstehen in Luxemburg Weine3.

Die Böden der meisten Weinberge bestehen aus Muschelkalk. Diese Muschelkalk-Massive erstrecken sich bis zum Ort Stadtbredimus. Dort gehen sie in den Keuper über, der bis zum Dreiländereck bei Schengen und Perl reicht. Dazwischen finden sich auch Böden aus Terrassen-Sedimenten und Löss.

Weinbaukarte Luxemburgs

„Le vin au Luxembourg“ – ein Wein mit Geschichte

Römer

Der Ursprung des Luxemburger Weins liegt bei den Römern. Noch heute findet man die Überbleibsel römischer Funde verstreut über die luxemburgischen Weinanbauorte. Bei diesen archäologischen Funden handelt es sich um Gedenktafeln, Grabmäler und die Überreste von Siedlungen in Ortschaften wie Wasserbillig, Wormeldange, Remerschen und Grevenmacher. Der Begriff „Macher“ leitet sich vom römischen „macaria“, also Mauer, ab. 

1852 wurde in Remerschen ein Sarkophag mit Motiven von Weinreben und Trauben entdeckt. An diesem Ort grub man ebenfalls eine Römervilla aus, in welcher ein Abbild der Weingöttin Vitis gefunden wurde. Andere Bilder erzählten von der Weinbergsbewirtschaftung. Schließlich fand man bei Bech-Kleinmacher Bestandteile einer alten römischen Kelteranlage. Das bezeugt, dass die Römer schon damals den Elbling anbauten. Er war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die meist angebaute Rebsorte.

Klöster im Mittelalter

Gleicherweise bewahrten die Klöster der christlichen Kirchen in Luxemburg die Weinkultur und fuhren diese in das Mittelalter weiter. Wein ist bereits von Anfang an ein Bestandteil des Christentums und christlicher Zeremonien. Möglicherweise tranken die Mönche allerdings den Wein auch nur zum Genuss. Im Mittelalter reichte der Weinanbau bis in den nördlich gelegenen Ort Vianden.

Napoleonisches Zeitalter in Luxemburg

Die Klöster waren bis zur napoleonischen Zeit Ende des 18. Jahrhunderts die größten Produzenten von Wein in Luxemburg. Unter der französischen Herrschaft wurden die Klöster enteignet und deren Besitz weltlichen Bürgern und dem Adel zum Verkauf angeboten.

Von 1815 bis 1839 war Luxemburg Teil der Niederlande. In dieser Zeit schränkten übermäßige Steuern den Weinanbau ein.

Deutscher Zollverein

1842 trat Luxemburg dem Deutschen Zollverein (1842-1918) bei. Der Effekt des Freihandels trat jedoch erst mit Verbesserungen der Infrastruktur und der Abschaffung der Weinsteuern nach 1860 ein. Die ständig steigende Nachfrage nach Elbling führte zu einem zunehmenden Wohlstand. Von 1820 bis 1914 hatte sich die Rebfläche innerhalb von 100 Jahren quasi verdreifacht. Der Wohlstand dieser Zeit lässt sich noch heute an den Altbauten erkennen.
Aufgrund von Steuervorteilen beim Wein-Import verlegten im 19. Jahrhundert namhafte Champagnerhäuser ihre Produktion nach Luxemburg.

Die Reblaus

Mit der Ankunft der Reblaus 1907, gefolgt vom Ersten Weltkrieg (1914-1918) und dem Austritt aus dem Deutschen Zollverein (1842-1918) im Jahre 1918 begann der Niedergang der luxemburgischen Weinwirtschaft. Die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren verschärfte die Probleme und führte zu einem Umdenken. Bis dahin war luxemburgischer Wein vor allem als Massenware zum Verschnitt mit anderen Wein produziert wurden, und der Wein wurde in Fässern zu anderen Kellereien geliefert.

Belgisch-Luxemburgische Wirtschaftsgemeinschaft

1922 begann die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsgemeinschaft, von deren Handel der luxemburgische Weinbau noch heute profitiert. Schließlich ist das Bierland Belgien der wichtigste Abnehmer luxemburgischer Weine. Zum ersten mal mussten Luxemburger Winzer größere Mengen ihrer Weine in Flaschen vermarkten.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit wurde ein an Frankreich angelehntes Wein-Klassifizierungssystem zur Qualitätssteigerung eingeführt. Es gibt die Klassen „Vin Classe“, „Premier Cru“ und „Grand Premier Cru“.
Um 1970 begann die Neubestockung luxemburgischer Weinberge mit Burgunderrebsorten und Riesling. Dafür musste vor allem der Elbling weichen, der einst nahezu überall präsent gewesen war.

Quellen & interessante Links

1. Mauquoi, Rudi & Marquoi, Laurens (2012): Luxemburger Wein – Vin Luxembourgeois. Erschienen in Editions Schortgen.

2. C. Frühauf, D. Hoppmann, U. Sievers, P.-H. Voss und H. Jagoutz (2007): Das Weinanbaugebiet Luxemburg – Klassifierung der Weinbergslagen. Erschienen in Andreas Matzarakis und Helmut Mayer (Hrsg.): Proceedings zur 6. Fachtagung BIOMET des Fachausschusses Biometeorologie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft e.V., S. 212-217.

3. LE GÉOPORTAIL NATIONAL DU GRAND-DUCHÉ DE LUXEMBOURG: Lagen im Weinanbau.