Ausblick über Trierer Stadtzentrum

Trier – Zentrum des Weins in Mittelalter und Antike

In der Antike sollen die Trierer mit einer unterirdischen Leitung Wein nach Köln transportiert haben. Die Böden der Trierer Weinberge bestehen im Untergrund meisten aus Grauschiefer und haben hohe Lehmanteile. Erdgeschichtlich liegt Trier an der Grenze des Trierer Beckens und des Schiefergebirges. Auf der Hunsrückseite findet man am südlichen Ufer der Mosel Grauschiefer.

Am Nordufer der Mosel liegt der Augenscheiner, welcher aus Sandstein besteht. Die Trierer Seitentäler Olewigs, Thiergartens und des Avelertals sind sehr warm. Das liegt auch daran, dass die Senke, in der sich die Stadt befindet die Wärme staut. Von den Hügeln des Hunsrück, kommt zumindest etwas kühlere Luft in das Tal hinunter.

Neben dem Trierer Amphitheater liegt ein Weinberg

Altes römisches Amphitheater direkt neben dem St. Maximiner Kreuzberg

Geschichte

Antike

Erste Bewohner in der Region von Trier werden schon 3000 vor Chr. vermutet. In der Stadt und der Region gibt es viele Funde von keltischer Besiedlung. Damals soll der keltische Stamm der Treverer in und um das heutige Trier herum größere Siedlungen bewohnt haben. Die Region gehörte damals zu Nordostgallien. Treverer könnte daher „Fährleute“ lauten. Diese Fährleute ermöglichten das Übersetzen über die Mosel. Zudem wird vermutet, dass die Kelten aus Wildtrauben Wein gekeltert haben könnten. Gesicherte Nachweise fehlen allerdings. Aber wie auch immer ist es nicht auszuschließen, dass sie Wein aus Griechenland und dem römischen Kernland, dem heutigen Italien, importiert haben.

Nach dem Gallischen Krieg im Jahr 50 v. Chr. wurde unter der Herrschaft von Julius Cäsar das Gebiet der Treverer in das römische Imperium einverleibt. Zuvor hatten treverische Soldnertruppen im Jahr 58 v. Chr. im Gallischen Krieg an der Seite der Römer gekämpft. Insbesondere deren Kavallerie imponierte Cäsar. Im Jahr 54 v. Chr. wendeten sich jedoch die Treverer wieder gegen die Römer. Den folgenden Krieg verloren sie genauso wie ihre Unabhängigkeit. 

Die römische Stadt Trier wurde schließlich 16 v. Chr. gegründet. Dies macht Trier zur ältesten Stadt Deutschlands. Das gesamte Stadtgebiet und Umland sind heute noch von eindrucksvollen römischen Zeugnissen geprägt: Das Trierer Wahrzeichen ist das alte römische Stadttor „Porta Nigra“; daneben bezeugen die Kaiserthermen, das Amphitheater, die Basilika sowie die Barbarathermen die überragende Bedeutung der Antike für Trier bis zum heutigen Tage. Auch im Umland von Trier, an der Mosel, der Saar und der Ruwer, bekunden alte römische Villen und Weinkelter den antiken Beginn des Weinanbaus an der Mosel

Nachgewiesen ist der Weinanbau seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. Im Jahr 278 n. Chr. hob Kaiser Probus die gesetzlichen Einschränkungen für den Weinanbau Westen des römischen Reiches auf, wodurch sich Trier zu einer Weinhandelsmetropole entwickelte. Von Trier aus wurde Wein u. a. in das römische Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) geliefert. Der Genuss von Wein prägte das Alltagsleben der Römer. Der tägliche Weinverbrauch könnte bei rund einem Liter pro Tag pro Kopf gelegen haben. Damals wurde Wein häufig noch mit Gewürzen versetzt oder mit Holunder vermischt.

Nachdem die Alemannen im Jahr 275 n. Chr. Trier zerstört hatten, erlebte Trier unter der Ägide von Kaiser Konstantin eine neue Blütezeit. Von 306 bis 337 n. Chr. wurden z. B. die Kaiserthermen und die Basilika errichtet; durch Konstantins Toleranzedikt im Jahr 313 n. Chr. gewann das bis dahin unterdrückte Christentum erheblich an Einfluss. Schließlich setzte sich das Christentum unter Konstantin im gesamten römischen Reich durch.  In dieser Zeit gewann die Kirche an Macht und Einfluss in und um Trier.

Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. war Trier mit 80.000 Einwohnern die größte Stadt nördlich der Alpen. In dieser Zeit verfasste der römische Dichter Ausonius seine literarische Reisebeschreibung Mosella. Ausonius war ein Gelehrter, der im Jahr 310 n. Chr. in Bordeaux geboren wurde. Nachdem die Alemannen im Jahr 355 n. Chr. abermals in Trier eingefallen waren, ließ der römische Kaiser Valentinian I die Stadt Trier wieder neu aufbauen. Für die tatkräftige Unterstützung dieses Neuaufbaus berief er Ausonius nach Trier und ernannte ihn kurze Zeit später zu seinem höchsten Beamten für die germanische Region. Gleichzeitig führte Valentinian I einen Feldzug gegen die Alemannen. Ausonius sollte bei dieser Gelegenheit von den Heldentaten des Kaisers berichten. 

Später entstand um 371 während einer Heimreise vom Feldzug nach Trier das Werk Von Mainz aus reiste er an Bingen und der Nahe vorbei durch den Hunsrück zur Mosel. Im Überschwang ließ er die erlebte Landschaft auf sich einwirken:

„Endlich erblicke ich gleich an der Grenze der Belger Neumagen, die berühmte Burg des vergöttlichten Konstantins […]. All dies zauberte mir mit reizendem Anblick das Bild meiner Heimat und der wohl bebauten Flur des prangenden Bordeaux vor Augen: Die hohen Giebel der Villen, erbaut über ragenden Ufern, rebengrüne Hügel, die lieblichen Fluten der Mosel, die murmelnd unten hin strömt.“

Mit dem Zerfall des römischen Reiches und dem Abzug der Römer begann der Niedergang von Trier. Die Kirche wurde zum neuen Herrscher in der Stadt und somit begann sie den Weinanbau in der Region Schritt für Schritt stärker zu kontrollieren. Dabei führte die ansässig gewordene gallo-römische Bevölkerung den Weinanbau fort. Sowohl archäologische Funde weiterer alter Weinkeltern als auch literarische Werke bezeugen dies. Der Schriftsteller Venantius Fortunatus beschreibt in seinem Werk de navigio suo während einer Reise an der Mosel den Weinanbau im Jahr 588 n. Chr. Die Weinberge wurden trotz des Endes der römischen Herrschaft weiterhin mit Reben bepflanzt.

Kirche mit Bäumen

Altes Olewiger Kloster

Der Trierer Dom zeugt von der mittelalterlichen Macht des Kurfürstentums und des Bistums

Trierer Dom

Mittelalter

Im Mittealter hatte Trier die Hälfte seiner Einwohner eingebüßt. Nachdem bis zum 9. Jahrhundert die Franken, Hunnen und Wikinger eingefallen waren, folgte eine lange Periode des Wiederaufbaus. Die kirchlichen Herrscher Triers übten mehr und mehr Einfluss auf den Weinanbau an der Mosel aus, und  nachdem die Franken die Herrschaft übernommen hatten, erhielten sie die Kontrolle über den Weinanbau. Unter Karl dem Großen wurde der Weinanbau systematisch ausgeweitet und gefördert. Die fränkischen weltlichen Herrscher übergaben den geistlichen Herrschern durch Schenkungen große Besitztümer an Weingütern und Weinbergen, wodurch die Klöster den Weinanbau im Mittelalter weiter ausweiteten. Auch der Weinhandel blühte wieder auf, und die Kölner konnten sich ebenfalls erneut über eine Einfuhr von Moselwein freuen.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden Region und Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Zerstörungen hinterließen auch im Weinanbau ihre Spuren.

Im Mittelalter gelangten auch die ersten Rieslingreben an die Mosel, da der Trierer Bischof Wenzeslaus im Jahr 1787 eine Verordnung erließ, in der festgelegt wurde, dass ein Großteil der bisherigen Weinreben durch Rieslingweinsorte ersetzt werden sollte.

Vom Deutschherrenberg blickt man auf das Olewiger Tal

Weinberge rund um Trier Olewig und den Thiergarten

Napoleonisches Zeitalter

Nachdem in Frankreich die Revolutionskriege ausgebrochen waren, wurde Trier im Jahr 1794 von französischen Truppen besetzt. Die Franzosen führten umfassend die Säkularisierung ein, wodurch beinahe der komplette kirchliche Besitz an Weinbergen und Weingütern privatisiert wurde. Nur einige wenige kirchliche Weingüter überlebten diese Säkularisierung.

Preußen und deutsches Reich

Nach den verheerenden Niederlagen Napoleons zogen die französischen Truppen 1814 aus Trier ab. Im Wiener Kongress wurde Trier unter preußische Verwaltung gestellt. Als Folge dessen blühte das Zeitalter der Romantik vollends auf, und bis zum heutigen Tage ziehen die malerischen Mosellandschaften Besucher aus der ganzen Welt vermehrt in ihren Bann. Goethe, ein großer Liebhaber des Weingenusses, bereiste schon damals regelmäßig das Moseltal. So bezeichnete er den Bremmer Calmont als ein einzigartiges „Naturamphitheater“. Die Spitzenweine der Mosel eroberten schließlich die gesamte westliche Welt und erzielten höhere Preise als die Weine aus Burgund oder Bordeaux.

Unter den Preußen erlebte indes der Weinanbau ein stetiges ein Auf und Ab. Auf Spitzenernten folgten Missernten, auf gute Jahre folgten schlechte Jahre. Die alten preußischen Steuerkarten zeugen noch heute davon, wie der Weinanbau in dieser Epoche systematisch durchstrukturiert wurde.

1818 wurde in Trier Karl Marx geboren. Die Familie Marx besaß eine Zeitlang Weinberge bei Mertesdorf an der Ruwer. Er selber war ein bekennender Liebhaber guten Weines. Bei einigen seiner ersten „revolutionären“ Schriften thematisierte er eingehend die damalige erschreckende Armut der Moselwinzer. Die Beschäftigung mit dem harten Schicksal der Moselwinzer hat sicherlich sein späteres sozioökonomisches Hauptwerk Das Kapital, welches Weltgeschichte schrieb, entscheidend mit beeinflusst.

20. Jahrhundert

Der Erste und Zweite Weltkrieg setzten der Stadt, der Region und der dazugehörigen Weinindustrie schwer zu. Das Image des deutschen Weines war durch die NS-Zeit international nachhaltig beschädigt worden. Der Fokus auf die Massenproduktion von billigen gesüßten Weinen nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinem Höhepunkt in den 1980er und 1990er Jahren war dem Image ebenfalls nicht zuträglich. 

Der Glykol-Skandal zeitigte zudem weitere schwere Auswirkungen auf das internationale Ansehen des deutschen Weines. In den 90er Jahren wurden selbst Weinanbauparzellen in absoluten Spitzenlagen zu Schleuderpreisen angeboten. Anschließend jedoch erfolgte ein Aufwärtstrend, bei dem auch in der Breite vermehrt auf Qualität gesetzt wurde, ein Trend, der verstärkt bis zum heutigen Tage anhält. 

Alte Weinbaukarte von Trier

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