Talkessel im Ahrtal rund um den Ort Mayschoss; Weinberg Mayschosser Mönchberg; bewaldete Hügel; Himmel mit Wolken

Ahr – Rotwein-Dominanz im Weißweinland

Pinot Noir

Hierzulande wird er als Spätburgunder bezeichnet. Aufgrund des Mikroklimas, der Weinbaugeschichte, der Böden und der Winzer an der Ahr erhält er seinen unverwechselbaren Charakter. 

Schiefer & Grauwacke

Mit gerade einmal 550 Hektar ist die Ahr eine der kleinsten Weinregionen. Die meisten Weinberge bestehen aus Schiefer und quarzithaltiger Grauwacke.

blau-graue Grauwacke mit roten Elementen an der Ahr enthält Quarzite

Steilhänge

Oft kennt man Rotweine eher von flachen Lagen. Im Ahrtal steigen die Winzer dagegen die steilen Hänge hinauf, um ihre Weingärten zu bewirtschaften.

Terrasse eines Weinbergs wird durch Mauer aus Schiefer gestützt

Lage des Ahrtals

Die Lage des Ahrtals und dessen Seitentälern, wie z.B. dem Mayschosser Tal, ist durch das Ahrgebirge im Nordwesten und die bewaldete hohe Eifel geschützt. Das tief eingeschnittene enge Tal mit seinen vielen Windungen schützt die Weinberge vor kühlen Winden.

Erdgeschichte

Das Ahrtal blickt auf eine lange erdgeschichtliche Entwicklung zurück, deren Nachwirkungen sich bis heute erkennen lassen. Vor über 400 Millionen Jahren war das Tal ein Meer. Es lag tief unter dem Meeresspiegel. Im Norden wurde das Ahrtal vom Nordkontinent und im Süden vom Südkontinent eingeschlossen. Die beiden Kontinente drifteten unausweichlich aufeinander zu, bis es vor über 100 Millionen Jahren in der Karbonzeit zum Zusammenprall kam. Dabei entstanden die Tonschiefer und die Sandablagerungen.

Vor über 35 Millionen Jahren entstanden durch vulkanische Aktivitäten die Basaltkegel. In der Eiszeit sammelten sich feine Staubschichten auf den Böden der Ahr. Diese bilden heute die Löss-Bestandteile der Böden. Damit war das geologische Fundament für die Weinkultur des Ahrtals gelegt.

Böden

Schiefer, Quarzit in Grauwacke, Lehm, Löss, vulkanischer Basalt und Sandstein sie die Böden, die man an der Ahr findet. Dabei kann die Ahr in drei Bereiche untergliedert werden. Das mittlere Ahrtal beginnt bei Altenburg. Von dort erstreckt es sich bis zur bunten Kuh. Diese Felsformation trennt Marienthal von Walporzheim. Am mittleren Ahrtal sieht man Steilhänge, die durch den Menschen auf markanten Terrassen bewirtschaftet werden.

Neben Schiefer bestehen die Weinberge an den Steilhängen am mittleren Ahrtal vor allem aus Grauwacke. Dadurch können elegant fruchtige Weine mit einer mineralischen Struktur hergestellt werden. Auf den Lehm- und Lössböden der Flachlagen entstehen voluminösere und fruchtbetontere Weine.

Hinter der bunten Kuh weitet sich in Walporzheim das untere Ahrtal auf. Insgesamt sind die Hänge weniger steil. Dort bestehen die Böden auch aus Basalt oder Sandstein. Markant sind die Basaltkegel, wie z.B. die Heimersheimer Landskrone. Östlich des Ortes Ehlingen beginnt das obere Ahrtal, in dem es heute keinen Weinanbau mehr gibt.

Geschichte des Weinanbaus

Schon während der Herrschaft der Römer könnte es Weinanbau gegeben haben. Wahrscheinlicher ist der erste Weinanbau nach dem Einfall der Franken im 3. Jahrhundert. Den ersten nachgewiesenen Weinanbau gab es im 8. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert bewirtschaftete die Benediktinerabtei Prüm umfassende Weingärten in Ahrweiler, Walporzheim, Dernau und Altenahr.

Auch an der Ahr dominierte also die katholische Kirche den Weinanbau im Mittelalter. Dabei wurden größtenteils Weißwein-Rebsorten kultiviert. Denn erst im späten Mittelalter schwenkte der Weinanbau von Weißwein zu Rotwein um. Nachdem der 30-jährige Krieg endete, wurde die Ahr endgültig zu einem Rotwein-Anbaugebiet. Es begann die bis heute anhaltende Tradition des Anbaus von Burgunder-Rebsorten. Während des Mittelalters kamen auch schon erste weltlich Adlige und Bürger in den Besitz von Weinbergen.

Im 19. Jahrhundert zogen die felsigen Weinbergslandschaften Maler und Dichter aus ganz Europa an. Im Zuge der Rheinromantik beschäftigten Dichter wie Karl Le­be­recht Im­mer­mann (1796-1840) oder Maler wie Jean-Ni­co­las Ponsarts (1788-1870) zunehmend mit der Schönheit des kleines Ahrtals.

Alte Weinbaukarte der Ahr

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Der Dernauer Hardtberg stößt in das Ahrtal hinein

Die Weinberge der Ahr

Früher wurden die Ahrwinzer von der Weinwelt für ihre geringe Qualität kritisiert. Dies ändert sich spätestens seit den 1990er Jahren. Seitdem setzen sowohl einzelne Erzeuger als auch die Genossenschaften verstärkt auf Qualität. Heute ist deutscher Pinot Noir einer neuer Trend in der globalen Weinwelt.

Dafür bietet das kleine Weinbaugebiet hervorragende Lagen. Neben Schiefer, Grauwacke und Quarz gibt es dort auch Böden aus Löss oder Lehm. In der Region werden vor allem Spätburgunder und Frühburgunder angebaut. Ein keiner anderen Weinregion Deutschlands ist der Anteil der Rotweinreben so hoch wie an der Ahr. 

Gerade der Ahr-Spätburgunder hat aufgrund der ständig zunehmenden Qualität national wie auch international einen immer besseren Ruf! Der Ahr-Frühburgunder ist dagegen eine nimmersatt-machende Delikatesse, die Weinliebhaber aus aller Welt anzieht.

Die meisten Weingärten befinden sich auf nach Süden ausgerichteten Hängen. Dadurch sind die Hänge direkt in die Sonnen hinein ausgerichtet. In den warmen Monaten des Jahres heizen sich diese Hänge beinahe wie Gewächshäuser auf. Dies geschieht, obwohl die Ahr eines der nördlichsten Weinanbaugebiete ist. Ein weiterer wärmender Faktor ist der leichte Einfluss des Golfstroms. 

Außerdem nimmt das Gestein an den Hängen die Wärme auf, speichert sie und gibt sie wieder ab. Im Vergleich zur Mosel ist der Einfluss der Reflexionen durch die Ahr eher begrenzt. Die Weingärten sind rund herum häufig durch Wälder geschützt. Bedeutende Jahrgänge mit hohen Öchslewerten waren 1949, 1976, 2001, 2003, 2018.

Bekannte Weinberge der Ahr

Walporzheimer Kräuterberg
Im Sommer gibt es hier beinahe ein mediterranes Klima.
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Recher Herrenberg
Die Lage der Saffenburger.
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Mayschosser Mönchsberg
Hier kelterten einst die Mönche ihren Wein.
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Die Geschichte des Ahrtals

Schon während der Herrschaft der Römer könnte es Weinanbau gegeben haben. Wahrscheinlicher ist der erste Weinanbau nach dem Einfall der Franken im 3. Jahrhundert. Den ersten nachgewiesenen Weinanbau gab es im 8. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert bewirtschaftete die Benediktinerabtei Prüm umfassende Weingärten in Ahrweiler, Walporzheim, Dernau und Altenahr.

Auch an der Ahr dominierte also die katholische Kirche den Weinanbau im Mittelalter. Dabei wurden größtenteils Weißweinrebsorten kultiviert. Denn erst im späten Mittelalter schwenkte der Weinanbau von Weißwein zu Rotwein um. Nachdem der 30-jährige Krieg ein Ende nahm wurde die Ahr endgültig zu einem Rotweinanbaugebiet. Es begann die bis heute anhaltende Tradition des Anbaus von Burgunderrebsorten. Während des Mittelalters kamen auch schon erste weltliche Adlige und Bürger in den Besitz von Weinbergen.

Mit Annexion durch Frankreich im Jahr 1794 begann an der Ahr eine Epoche, die von fortlaufendem Wandel geprägt war. Erstmalig wurde der Ahr-Rotwein dem Wettbewerb von französischem Rotwein ausgesetzt. Gleichzeit erhielt die Ahr Zugang zum französischen Markt und anderen Ländern Europas. Zu dieser Zeit war die Ahr auch für ihre Schaumweine bekannt, die internationalen Anklang fanden.

Im Jahr 1815 wurde die Ahr Teil Preußens. Die Ahr verlor zwar Ihren bevorzugten Zugang zum französischen Wirtschaftsraum, aber gleichzeitig profitierte sie von dem Wegfall der französischen Rotwein-Konkurrenz. Mit dem Beitritt zum deutschen Zollverein im Jahr 1933 endete die Phase der wirtschaftlichen Prosperität. Das Ahrtal musste sich dem Wettbewerb mit der Pfalz stellen, verlor ihren Marktzugang zu Belgien und erlitt zahlreiche Missernten. Aus der Not heraus wanderten viele Bewohner der Ahr-Region in die Vereinigten Staaten aus. Diejenigen, die blieben, schlossen sich häufig zu Genossenschaften zusammen.

So wurde 1868 mit der Mayschosser Winzergenossenschaft die erste Weinanbaugenossenschaft Deutschlands gegründet. Viele dieser Genossenschaften bestehen bis heute. Sie schafften es im 19. Jahrhundert zumindest, das Überleben vieler Weinbaubetriebe zu sichern. Denn von 1820 bis 1925 halbierte sich die Anbaufläche an der Ahr beinahe. Denn 1880 kam die Reblaus an die Ahr und erschwerte die Bewirtschaftung zusätzlich.

Durch die französische Erbschaftsregelung, bei der das Erbe zu gleichen Teilen aufgeteilt wird, entstanden an der Ahr viele kleine Betriebe. Diese haben heute noch oft weniger als einen halben Hektar. In der Nachkriegszeit profitierte das Ahrtal vom Wirtschaftswunder, seiner Schönheit und der Nähe zu den nordrhein-westfälischen Ballungsgebieten. Der Tagestourismus an den Wochenenden sorgte Jahr für Jahr für hohe Absätze. Diese Absätze wurden jedoch mit niedriger bis durchschnittlicher Weinqualität geschaffen. Es gab kaum Betriebe, die auch nur ansatzweise auf eine hohe Qualität abzielten.

In den 1980er Jahren begann der Umschwung hin zu mehr Qualität. Nach den Überproduktionen von 1992 und 1993 setzte diese Einsicht mehr und mehr ein. Heute gibt es an der Ahr immer mehr Spitzenerzeuger. Die Ahr scheint eine Weinanbauregion zu sein, die sich immer wieder schwierigen Gegebenheiten anpassen kann.