Auf der rechten Seite befindet sich der Weinberg, der ein Mythos ist.

Saar – Weine von beeindruckend strahlender Eleganz

Geschichte

Den ersten Weinanbau gab es schon während der römischen Epoche. Forciert wurde der Weinanbau an der Saar jedoch erst durch die Klöster im Mittelalter. Eine Spitzenlage wie der Ockfener Bockstein wurde sogar erst seit dem 19. Jahrhundert systematisch bewirtschaftet. In diesem Jahrhundert erlebte der Saarwein eine Hochphase und tauchte überall auf den Speisekarten der berühmtesten Restaurants  auf der Welt auf. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete im Jahr 1787 auch die Verpflichtung der Winzer durch den Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1739-1812; Amtszeit: 1768-1803), Rieslingreben anzupflanzen.

Vom Turm des Schlossberg kann man weite Teile des Saartals überblicken

Saarburg im Sommer

Klima

Obwohl das Weinanbaugebiet südlich der Mosel liegt, ist das Klima an der Saar deutlich kühler. Die Durchschnittstemperaturen sollen bei 9,9 °C liegen. An der Mosel liegen sie bei 10,3 °C. Dies hat verschiedene Ursachen. Das Saartal zwischen Konz und Niedermennig ist insgesamt sehr offen. Dadurch können sich die kühlen Winde, die durch die Seitentäler herunterwehen, besonders gut entfalten. Diese Winde wehen über die Weinberge hinweg und kühlen sie ab. Die Winde kommen vom Mittelgebirge des Hunsrücks, wo es bis zu über 800 Meter hohe Erhebungen gibt. Zudem liegen einige der  Seitentäler, z. B. um Krettnach oder Niedermennig herum, mit 100 Metern deutlich höher als die Mosel. Dadurch gibt es ein bis zwei Wochen längere Vegetationsperioden und eine ausgeprägtere Säure. Dieses Klima bildet heute die Grundlage des typischen Saar-Riesling.

Daher war es an der Saar früher besonders schwierig, hohe Öchslegrade zu erreichen. Die Trauben hatten in manchen Jahrgängen kaum Zucker ausgebildet und wurden dann für Sektweine verwendet. Seit der verstärkt einsetzenden Klimaerwärmung erreichen die Trauben höhere Öchslegrade und längst vergessene Lagen wie der Geisberg werden wieder aufgestockt. Die Bewirtschaftung dieses alten Weinberges wurde in den 1970er Jahren nahezu aufgegeben, da es schwierig war, reifes Trauben-Lesegut zu ernten.

Saarburg mit Wald und Weinberg

Die Saarburg bei Regen

Rund um dieses Biegung entstehen etwas voluminösere Saarweine

Weinberge an der Saarschleife rund um Kanzem

Ein der Mittelmosel zumindest ähnliches Mikroklima findet man um den Ort Kanzem herum. Dort wölben sich die Weinberge rund um eine Schleife der Saar. Diese Wölbung befindet sich auf der anderen Seite des Flusses gegenüber von Kanzem. In der Flusskurve staut sich die Wärme. Die Saar sorgt für Sonnenreflexionen auf die Steilhänge mit deren bis zu über 80 Grad Steigung. Der Kanzemer Altenberg ist ein Steilhang, der sich ununterbrochen über 200 Meter hinweg vom Ufer der Saar bis zur Bergspitze hinauf erstreckt. Die Rebzeilen werden an keiner Stelle durch Wege getrennt, und dadurch ist der Weinberg in dieser Hinsicht in Europa einzigartig. Zudem sorgen zahlreiche Wälder für Windschutz.

Roter Schiefer an Saar

Roter und eisenhaltiger Saarschiefer

Boden

Die Entstehung der Böden begann vor über 400 Millionen Jahren. Sie werden als Hunsrückschiefer aus der Zeit des Unterdevon (vor 409-386 Mio. Jahren) bezeichnet. Meist sind es ursprünglich grau-blaue Schiefer, die einen derart hohen Eisenanteil haben, dass sie oft komplett rot sind. Die roten Bestandteile waren früher sogenannte „rotliegende“ Schuttsedimente. Diese gingen im Verlauf der Erdgeschichte eine Verbindung mit dem Schiefer ein. Es verleiht dadurch dem Wein eine verstärkte Mineralität. Man kann sie als Salze oder Kräuter herausschmecken. Daneben gibt es auch Weinberge, deren Böden sehr viel Quarzite enthalten. Es handelt sich um Grauwacke. Andere Weinberge, wie z .B. der Ockfener Bockstein, haben nur geringe Eisenbestandteile. Sie haben blau-graue Schiefer, wie man sie von der Mittelmosel kennt.

Weintyp: Saar Riesling

Saarweine sind gemessen an ihrem Süßegrad bekannt für ihre aromatische Leichtigkeit bei hoher Komplexität. Verglichen mit Weinen der Mittelmosel haben sie eher dezente Fruchtaromen von Zitrusfrüchten, Apfel oder Pfirsich. Durch vergleichsweise höhere Säuregrade balancieren sie die Süße oft sehr gut aus. Sie wirken dann frisch und kühl. Durch diese Eigenschaft sind die Weine auch als „Saar Rieslinge” bekannt.

Bekannt sind natürlich die eleganten Süßweine des Scharzhofbergs, denen es nahezu nie an Säure fehlt, um der Süße entgegenzuhalten. Vor allem sind die Seitentäler der Saar für hoch komplexe Süßweine bekannt.

Weltweit machen auch immer mehr trockene Saar-Rieslinge wieder auf sich aufmerksam; durch deren Leichtigkeit sind sie sehr anspruchsvoll. Dank des eisenhaltigen Gesteins macht sich bei ihnen eine angenehme Mineralität bemerkbar. Man sagt, dass sie meistens näher an der Saar in der tieferliegenden Flussebene entstehen. Einer der weltweit führenden Weinkritiker, Hugh Johnson, beschreibt es in seinem Buch „der kleine Johnson“ (2019) wie folgt: „Trockene Moselweine konnten schon mal ziemlich fies sein, der Klimawandel macht sie deutlich runder. Saar und Ruwer bringen schlankere Weine hervor als die Mosel, übertreffen jedoch den Rest der Welt an Eleganz und zudem erregender, stahliger Rasse.“ Die Weine haben also eine markante Säure, die ihnen Charakter verleiht. Dabei gelingt es ihnen, eine unglaubliche Vielfalt von anspruchsvollen Aromen dezent zu kreieren.

Goldene Trauben; gelbe, grüne, rote und orange Blätter

Riesling-Trauben im späten Sommer

Weinanbaukarte & Lagen der Saar

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