Im Herzen der Mittelmosel liegt das Piesporter Goldtröpfchen

Mittelmosel – das ewig pulsierende Herz der Region

Geschichte

Römisches Reich

Im ersten Jahrtausend vor Christi Geburt bevölkerten die Kelten in vereinzelten Siedlungen das Flusstal der Mittelmosel. Es handelte sich um den Stamm der Treverer. Es verwundert daher nicht, dass in der Moselregion Funde aus der Keltenzeit entdeckt wurden. So wurden in Enkirch eine keltische Viereckschanze sowie ein Wagengrab und in Wehlen eine keltische Goldmünze entdeckt. Ebenso könnte die Ortschaft Ensch wie Trier keltischen Ursprungs sein. Außerdem stellten die Kelten aus den Trauben von Wildreben wahrscheinlich schon Wein her.

Nach der Niederlage der Treverer im Krieg gegen die Römer im Jahr 51 v. Chr. wurde die Region im Jahr 50 v. Chr. in das römische Reich einverleibt. Die Römer erkannten früh das Potential für den Weinanbau an der Mosel, weshalb sie geeignete Rebsorten mitbrachten, und viel Know-How aus Italien in die Moselregion einführten. 

So entwickelte sich unter der Herrschaft der Römer an der Mosel der systematische Anbau von Reben hin zu einer weiträumigen Weinkultur. Der Erlass von Kaiser Marcus Aurelius Probus (232–282 n. Chr.), Beschränkungen für den Weinanbau im Westen des römischen Reiches im 3. Jahrhundert nach Christi aufzuheben, führte darüber hinaus zu einer weiteren Intensivierung der Kultivierung der Weinwirtschaft an der Mittelmosel.

Römische Weinkeltern wurden in Piesport, Brauneberg sowie Graach entdeckt. Sie bezeugen eindrucksvoll an den heutigen Toplagen vom vergangenen antiken Weinanbau. Wein war damals im römischen Reich ein Alltagsgetränk, welches in Tavernen mit oder ohne Speisen, serviert aus Krügen, getrunken wurde. Und ebenso wie heute gab es auch schon damals große Qualitäts- und Preisunterschiede. Die Administration achtete jedoch darauf, dass Wein als Alltagsgetränk  stets zu einem erschwinglichen Preis angeboten wurde. Ebenso wollten auch die römischen Garnisonen mit einem stetigen Weinvorrat versorgt werden.

Großen Wert legten die Römer zudem beim Weinanbau auf einen hohen Reifegrad der Reben, weshalb sie die Weinernte im Zeitraum von September bis hin zum Oktober durchführten. Häufig wurden die Weine auch etwas süßer ausgebaut, um somit längere Haltbarkeiten zu erreichen.

Von der Mittelmosel aus wurden die Weine wahrscheinlich in die gallischen und germanischen Provinzen verschifft. Davon zeugt das römische Weinschiff, welches in Neumagen-Dhron entdeckt wurde. Dieser Ort hat in der spätrömischen Zeit seit Kaiser Konstantin (272–337 n. Chr.) eine große Bedeutung für die Produktion und den Handel von Wein. Zum Auftakt seines Gedichtzyklus Mosella (entstand um 371) schwärmte Decimus Magnus Ausonius (310–394 n. Chr.), nachdem er vom Hunsrück her anreiste und sich der Mittelmosel näherte: „Endlich erblicke ich gleich an der Grenze der Belger Neumagen die berühmte Burg des vergöttlichten Konstantins (272–337 n. Chr.)“.

 

Ausonius (23, 280)

„Solche Bilder genießen am blauen Wasser in langer Reihe Villen, die mit ragendem Giebel auf Felsen stehen; mitten hindurch läuft trennend der Fluss und schlängelt sich windend und biegend, und Schlösser schmücken bald hüben, bald drüben die Ufer.“

 

Ausonius (15, 150)

„Nun biete andere Schau das Gepränge des Rebengeländes, nun sollen des Bacchus Gaben die schweifenden Blicke ergötzen, dort, wo ein hoher Gipfel in langem Zug über Steilhänge, auch Felsen, besonnte Hügel, Biegung und Bucht mit Reben bepflanzt, zu einem Naturtheater aufsteigen.“

Von der alten Longuicher Römervilla hatten die alten römischen Gutsbesitzer wahrscheinlich einen wunderbaren Blick auf den Annaberg bei Schweich. Dort beginnt die Mittelmosel.
Blick von Longuicher Römervilla auf den Schweicher Annaberg
Auf dem Schlossberg bei Lieser befindet sich eine alte Kapelle. Unten breitet sich die Ebene vor dem Dorf aus. Am Himmel sind Wolken aus den Sonnenstrahlen auf den Boden strahlen. Der Weinberg liegt im Bereich der Mittelmosel.

Paulskirche bei Lieser

Mittelalter

Nachdem die Römer im fünften Jahrhundert Stück für Stück aus der Region abzogen, blieb der Weinanbau weiterhin bestehen. Die gallo-römische Oberschicht behauptete auch unter den Franken seine einflussreiche gesellschaftliche Stellung; dies vor allem wegen ihrer leitenden Rolle in der bischöflichen Verwaltung. Schließlich übernahmen die Franken ab dem Ende des 5. Jahrhunderts die Herrschaft in der Region.

Im Übergang von der spätrömischen Zeit zum Mittelalter bereiste der Dichter Venantius Fortunatus (ca. 530 – ca. 630) 558 n. Chr. die Mosel. Gefesselt von dem Zauber der Mosellandschaft hinterließ er der Nachwelt ein literarisch einmaliges Dokument:

„Überall sehen wir vor uns Berge mit drohendem Gipfel, wo der scharfe Fels aufsteigt und die Wolken durchdringen, wo ragende Höhen die steilen Klippen erheben und wo auf den Hügeln rauer Stein zu den Sternen emporsteigt. Doch dürfen hier selbst starrende Steine nicht ohne Früchte bleiben, sogar die Felsen sind fruchtbar und fließen von Wein. Überall siehst du hier die Hügel mit Reben bekleidet und ein schweifender Windhauch durchfächelt das Weinlaub. Die Reben gepflanzt zwischen Steine stehen dicht in geordneter Reihe und streben in geraden Zeilen zum Gipfel.

Weingärten glänzen den Winzern zwischen starrenden Felsen, und rötlich leuchtet die liebliche Rebe auf bleichem Gestein, dort, wo raue Felsen honigsüße Trauben tragen und auf fruchtlosem Stein gefällig und fruchtbar der Wein wächst, wo die Weingärten üppig belaubt unter dem kahlen Berggipfel stehen, und wo schattiges Grün trockene Steine bedeckt. Dort erntet der Winzer sich färbende Trauben und hängt bei der Lese selbst am hängenden Felsen.“

Im Mittelalter überließen die fränkischen Herrscher den kirchlichen Institutionen in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends zunehmend mittels Schenkungen die Kontrolle über den Weinanbau. Die Kirche erweiterte den Weinanbau auch an der Saar. Heute noch zeugen zahlreiche Namensgebungen für Weinberglagen vom Einfluss der Kirche: Graacher Domprobst, Himmelreich, Apotheke usw., denn zu jener Zeit beherrschten die „geistlichen“ Herren den Weinanbau.

Unter der kirchlichen Herrschaft breitete sich auch der Rieslinganbau an der Mittelmosel aus. Die Ursprünge der Kultivierung der Rieslingreben liegen bei den Römern sowie den Germanen und somit am Rhein. Die Römer führten den Anbau der Traminerreben an Rhein und Mosel ein, sodass sich am Rhein Traminer und Wildreben kreuzten. Später erfolgte zudem die Einkreuzung der Heunisch-Reben. Der erste Rieslinganbau an der Mosel soll wohl im 15. Jahrhundert erfolgt sein, wobei der Anbau dieser Rebe sich nur schwerlich durchsetzte, da der Riesling vergleichsweise lange Reifezeiten benötigte.

Im Mittelalter war die Mosel wie auch in der römischen Zeit ein wichtiger Handelsweg. Beidseitig entlang der Mittelmosel entstanden Schlösser und Burgen, von denen aus geistliche und weltliche Würdenträger ihre Macht ausübten. Eines der wichtigsten Exportgüter war der Wein, und es war insbesondere der Riesling, der Zuspruch erhielt, auch außerhalb der Weinbauregionen. Schließlich garantierte er — vorausgesetzt, er gelange zur vollen Reife — höchste Qualitäten.

Frühe Neuzeit an der Mittelmosel

Der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1739–1812) erließ 1786 eine Verfügung zur Umstellung des Weinanbaus auf Riesling, denn aufgrund dessen Qualität versprach er auch eine erhöhte Rentabilität. Der Riesling ersetzte somit stückweise den Elbling.

Napoleon und die Preußen

Im Jahr 1794 riss Napoleon (1769-­1821) die Kontrolle über die Mittelmosel an sich. Diese Epoche sollte von starken Veränderungen geprägt sein, die bis hin in die heutige Gegenwart anhalten. Große Teile der kirchlichen Weingüter und Weinberge wurden enteignet und Bürger übernahmen diese Weinberge sowie Weingüter. Gleichzeitig führten die Franzosen die Realteilung ein. Das Erbe wurde folglich zu gleichen Teilen aufgeteilt, was dazu führte, dass viele Kleinbetriebe — mit einer oft weniger als einem halben Hektar Weinbergsfläche — entstanden.

Nach den verheerenden Niederlagen der napoleonischen Truppen beschlossen die Bezwinger Frankreichs auf dem Wiener Kongress (1814–1815), dass die Mittelmosel den Preußen zugeschlagen wurde. Diese systematisierten den Weinanbau weiter und führten durch Besteuerungssysteme Lagenklassifikationen ein. Trotz einiger Mängel haben diese Klassifikationen noch heute Einfluss auf den Weinanbau. Die erste dieser von den eingeführten Steuerkarten war die 1868 veröffentliche Steuerkarte des Steurraths von Clotten. Wirtschaftlich war diese Zeit von einem stetigen Auf und Ab geprägt. Neben den Weinen des Rheingaus eroberten die Toperzeugnisse die Speisekarten der Spitzengastronomie der westlichen Welt. Auf der anderen Seite führten indes schlechte Jahrgänge, überhöhte Besteuerungen und weitere wirtschaftspolitische Entwicklungen zur Verarmung der kleinen Winzer an der Mosel.

Im 19. Jahrhundert zog es Maler wie William Turner (1775–1851) und Poeten wie Goethe (1749–1832) an die Mosel. Es war denn wohl auch dem inspirierenden Genuss des Moselweines von solchen genialen Künstlern zu verdanken, dass sie der Nachwelt einmalige Kunstwerke hinterlassen haben.

Die Altstadt von Traben-Trarbach ist geprägt vom Jugendstil. Im Hintergrund erkennt man den Trarbacher Burgberg und den Trarbacher Schlossberg​.Die Mosel fließt durch den Ort. Der Himmel ist stark bewölkt. Die Doppelstadt liegt im Bereich der Mittelmosel.

Blick auf Traben-Trarbach

1990er Jahre bis heute

Spätestens in den 90er Jahren erfolgte allmählich ein grundlegendes Umdenken. Dies geschah in einer Region, in der sich Dinge traditionell eher langsam als in einem hohen Tempo zu ändern pflegten. Neben den klassischen Spitzenerzeugern haben auch vermehrt kleine Familienbetriebe den Weg zur Erzeugung von Spitzenweinen eingeschlagen. Zusätzlich setzten berufsfremde Quereinsteiger von außen her an die Mosel kommend immer wieder neue Impulse und zeigen auf, welch enormes Potential das Terroir der Mosel zu bieten hat, wenn es denn umfassend genutzt wird. 

Wenn heute Sommeliers aus dem globalen Ausland an die Mosel kommen, die sich zuvor vor allem mit französischen oder italienischen Weinen beschäftigt haben, sind diese in aller Regelmäßigkeit von der zunehmenden Qualität in der Spitze und der Breite überrascht, wobei bislang der Klimawandel der Mosel zugute kommt. Früher gab es immer wieder Jahrgänge, in denen die Trauben nicht zur Vollreife heranwuchsen. Heute werden hingegen sogar die kühleren oberen Bereiche der Weinberge wieder zunehmend bestockt. Im letzten Jahrzehnt war dies eher selten der Fall. Dafür gibt es neue Herausforderungen, wie z. B. die Zunahme längerer Trockenwetterphasen sowie Extremwetterereignisse im Weinanbau.

Im Herbst erstrahlen die Weinberge bei Piesport in bunter Pracht, so auch der Weinberg Piesporter Domherr an der Mittelmosel. Vorne links fließt der Fluss Mosel. Am Ufer rechts sind Bäume und Häuser. Am blauen Himmel sind Wolken.

Piesport: Weinberge Domherr, Falkenberg, Schubertslay und Goldtröpfchen im Hintergrund

Foto: Anette Hoss

Großlagen Probstberg & St. Michael

Bei Kenn auf dem südlichen Moselufer und bei Schweich am nördlichen Moselufer — beide in der Nähe der Moselmetropole Trier — beginnt das Weinanbaugebiet der „klassischen Mittelmosel“.

Dort liegen die Großlagen Probst und St. Michael. Großlagen wie die Probstberg in der Nähe von Trier fassen zwecks effizienterer Organisation Orte und deren Weinberge zusammen. Wenn also Weine aus einer bestimmten Großlage stammen und z. B. dabei Weine aus verschiedenen Weinbergen innerhalb einer Großlage gemischt werden, d. h. geerntet, gekeltert und verschnitten abgefüllt werden, kann auf dem Etikett als Herkunftsort die Großlage ausgewiesen werden. Der Begriff „Großlage“ sollte nicht mit der Lagenklassifikation der VDP (Verband der Prädikatsweingüter), nämlich der „Großen Lage“ (Spitzenlage), vertauscht werden. Diese Klassifizierung ist an den französischen Grand Cru (französische Bezeichnung für Weinlagen besonderer Qualität) angelehnt.

Boden

Die Steilhänge von Schweich bis Leiwen sind größtenteils mit Devonschiefer bedeckt. Eine Ausnahme stellt der Weinberg Annaberg bei Schweich dar. Dort liegen rote Tonschiefer, wobei der Tonschiefer häufig von ebenfalls rötlichem Rigolhorizont bedeckt ist. Durch die Auswaschung anderer Stoffe ist der Eisenanteil sehr hoch, und der Boden ist außerdem kalkhaltig. Die auf diesen Böden angebauten Weine beim Weinberg Annaberg weisen neben den Geschmacksnoten von Apfel, Mango und Pfirsich auch deutliche Birnenaromen auf.

In den flachen Bereichen — unmittelbar an der Mosel gelegen — dominieren Lehm- und Lössböden. Auf diesen Böden entstehen fruchtig-voluminöse Weine, allerdings mit eingeschränkter Aromen- Komplexität sowie begrenzter Mineralität. Diese Böden findet man auf der südlichen Moselseite in den Flachlagen um Kenn, Longuich und Riol.

Ausblick vom Mittelgebirge des Hunsrück auf Moseltal und die Weinberge. Es ist der Fünfseenblick an der Mittelmosel. Man blickt auch die Orte Riol und Longuich. Am Himmel sind Wolken.

Riol, Longuich und Schweich an der Mosel

Dies ist eine sehr bunte Schiefer-Zusammensetzung von der Trittenheimer Apotheke an der Mittelmosel.
Bunte Schiefer an der Trittenheimer Apotheke

Spätestens ab hinter der Lage Schweicher Annaberg herrscht  flussaufwärts eindeutig der klassische dunkle Devon-Tonschiefer vor. Er wird auch als Hunsrückschiefer bezeichnet. Dessen Entstehung begann vor über 400 Millionen Jahren im Zeitalter des Devon (vor 409 Mio. Jahren – vor ca. 362 Mio. Jahren). In dieser erdgeschichtlichen Epoche existierten die Kontinente Laurussia und Godwana, die ein großes Meer voneinander trennte. Auf dem stetig absinkenden Meeresboden vor Laurussia lagerten sich immer mehr Silte, Tone und sonstige Sedimente ab. Die Kontinente Laurussia und Godwana drifteten aufeinander zu, und das Meer zwischen ihnen verschwand zum Ende des Devons (vor ca. 362 Mio. Jahren). Durch den Druck und die dabei entstandene Hitze von 200 bis 350 °C bildeten sich neue Gesteine, nämlich Ton- und Siltschiefer. 

Der Bereich der Mosel von Saarburg bis Zell in Richtung Süden zum Hunsrück hin ist eine im Zeitalter des Devons entstandene Auffaltung. Durch Erosion und Verwitterung an den Hängen wird dunkler Tonschiefer an der Bodenoberfläche sichtbar. Vor rund 2,6 Mio. Jahren bildeten sich allmählich die Schiefer in der heutigen Form heraus. Dabei formten sich das Schiefergebirge sowie der Verlauf der Mosel. Der noch unverwitterte graue Schiefer wurde jedoch erst ab 11.600 v. Chr. auf den Hängen erkennbar. In der Nachfolgezeit bewirkten starke Fröste die Bildung der uns heute vertrauten verwitterten Schieferböden; Lehm, Löss und Braunerden wurden zudem an den Hängen klimabedingt beständig abgetragen.

Klima

Sowohl die Flach- als auch die Steillagen profitieren von einem warmen Klima und langer Sonneneinstrahlung. An der gesamten Mittelmosel sind die Lagen insgesamt durchaus miteinander vergleichbar. Großes Potential weisen beinahe alle Schiefer-Steilhänge mit südöstlicher, südlicher bis westlicher Ausrichtung auf. Die Bekanntheit und Klassifikation von Weinbergen beruhen heute häufig auf der Bekanntheit und Reputation der Weine von den jeweiligen Weinbergen.

Geschichte und Orte

Im Probstberg bei Longuich wurde eine alte römische Villa rekonstruiert. Vermutlich wurde von dort aus Landwirtschaft und Weinbau betrieben, um Trier und die in der Region stationierten Soldaten zu versorgen. Da die Region in der Nähe der Grenze lag und immer wieder den Einfällen germanischer Stämme, wie z. B. denen der Alemannen, ausgesetzt war, waren hier oft Zehntausende von römischen Legionären und Hilfstruppen stationiert. 

Im Jahr 70 n. Chr. war Riol (Rigodulum) Schauplatz einer Schlacht der Römer unter Quintus Petilius Cerialis (30 n. Chr.–83 n. Chr.) gegen einen Aufstand der keltischen Treverer unter Iulius Valentinus († 70 n. Chr.). Tacitus (ca. 58 n. Chr.–ca. 120 n. Chr.) schilderte, dass sich die Treverer auf den Hügeln verschanzten. Trotz der höheren Position verloren sie die Schlacht. Trier, die Stadt der Treverer, wurde verschont und die römische Kultur gewann immer mehr an Einfluss. Die Lage Rioler Römerberg wurde nach dieser Schlacht benannt.

Trauben an Rebstock im Zellerberg

Trauben am Steilhang

Longuich und Riol

Nachdem die Franken die Herrschaft übernahmen, verhalfen sie der Kirche durch Schenkungen zur Kontrolle über den Weinanbau. Davon zeugen heute die Weinbergnamen „Herrenberg“ und „Maximiner Herrenberg“ bei Longuich. Schweich gehörte aufgrund einer fränkischen Schenkung 762 n. Chr. dem Kloster Prüm. In der Zeit des Kurfürstentums Trier war Schweich dem Amt Pfalzel zugeordnet.

Auch im Bereich der Großlage „St. Michael“ von Longen bis Leiwen haben die Orte in der Regel einen römischen Ursprung. In Pölich fand man die Überreste römischer Villen und einer Wasserleitung. Weiter die Mosel hinauf befindet sich Thörnisch. Von der „Thörnischer Ritsch“, der zum Ort zugehörigen Steillage, soll Konrad Adenauer (1876–1967), als er 1955 nach Moskau reiste, um über die Freilassung der Gefangenen zu verhandeln, einige Flaschen mitgenommen haben.

Karte der Großlagen Probstberg & St. Michael

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Großlagen Michelsberg & Kurfürstlay

In den Weinbergen der Großlage Michelsberg finden wir vorwiegend Steillagen mit Devonschiefern in blauen, grauen und rötlichen Varianten. Die Flachlagen um Piesport und Brauneberg sind hingegen mit Lehm- und Lössböden bedeckt.

Trittenheim

In Trittenheim, dem ersten Weindorf am Michelsberg flussaufwärts, erinnern uns der Fährfels und die beiden gegenüberliegenden Fährtürme daran, dass die Winzer zur Bewirtschaftung der Weinberge noch bis 1909 mit einer Fähre zur anderen Moselseite übersetzen mussten. Nur auf diese Weise konnten sie zur Spitzenlage „Trittenheimer Apotheke“ gelangen.

Neumagen-Dhron

Weiter flussaufwärts gelangen wir nach Neumagen-Dhron. Es soll der älteste Weinort Deutschlands sein, wovon ein altes steinernes Römerschiff, mit dem Weinfässer auf der Mosel transportiert wurden, Zeugnis ablegt. Neumagen-Dhron war von großer Bedeutung als Garnisons- und Handelsposten während und nach der Zeit des Kaiser Konstantins (272–337 n. Chr.; Herrschaftszeit: 306–337 n. Chr.). In Neumagen mündet die vom Hunsrück-Mittelgebirge herabfließende Dhron in die Mosel.

Piesport

Piesport ist die nächste Ortschaft, weiter die Mosel aufwärts. Das Potential der Lage „Piesporter Goldtröpfchen“ erkannten schon die Römer, als sie am Fuße dieses Weinberges ihren Wein kelterten. Beim Anblick an die Piesporter Weinberge fühlte sich der römische Dichter Decimus Magnus Ausonius (310–394 n. Chr.) an die aufsteigenden Rängen eines Amphitheaters erinnert. In den benachbarten Weinbergen ragen die Felsen der Moselloreley weithin sichtbar in die Weinlandschaft empor. Und inmitten dieser markanten Felsen liegt vereinzelt ein Weinberg, der ohne Zuwege nur von der Mosel aus mit einem Boot erreicht werden kann.

Minheim

Bei Minheim endet der Michelsberg. Wintrich stellt den Beginn der Großlage Kurfürstlay. Zwischen Minheim und Wintrich zeichnet sich die Lage „Ohligsberg“ als ein Weinberg aus, wo nebst Schiefer auch Quarzite den dort angebauten Weinen ein einzigartiges aromatisches Profil verleihen.

Mühlheim-Brauneberg

Die Lage „Brauneberger Juffer“ bei Mühlheim-Brauneberg nimmt für sich in Anspruch, eine der sonnenwärmsten Lagen Deutschlands zu sein.

Karte der Großlagen Michelsberg und Kurfürstlay

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Großlagen Badstube, Münzlay, Schwarzlay, Nacktarsch & Vom Heißen Stein

Der Schlossberg in Bernkastel begrenzt die Großlage „Kurfürstlay“, bis wohin sich auch die Großlage „Badstube“ erstreckt. Außerhalb von Bernkastel umfasst die Großlage „Münzlay“ die Orte Graach, Wehlen und Zeltingen-Rachtig. Dem sich anschließend folgt die Großlage „Schwarzlay“ von Ürzig bis Burg. Dazwischen liegt rund um Kröv die Großlage „Nacktarsch“. Ab Reil bis nach Briedel erblicken wir die Weinberge des „Vom Heißen Stein“, die als Großlage den Abschluss der Mittelmosel bilden. Bemerkenswert ist indes, dass fast alle Steillagen — ausgenommen die Weinberge bei Ürzig und Erden — mit Devonschiefer ausgestattet sind.

Bernkastel-Kues

Die Wein-Metropole Bernkastel-Kues, international bekannt für seine malerischen Häuser sowie ihre historische Altstadt, schmiegt sich beidseitig an eine sich lang dahin streckende Mosel-Biegung. Erste Besiedlungen soll es im Ortsteil Kues schon im Jahr 3000 v. Chr. gegeben haben. Später siedelten dort Kelten und Römer. Der Name Bernkastel selbst wird auf ein altes römisches Kastell zurückgeführt, und auf den Grundmauern des Kastells wurde im 13. Jahrhundert die Burg Landshut errichtet. Und inmitten in der Stadt liegt die berühmte Rieslingeinzellage, der „Bernkasteler Doctor“. Der Legende nach soll der Wein von diesem Weinberg einst den Trierer Erzbischof Boemund II. († 1367: Amtszeit: 1354–1362) von einer schweren Krankheit geheilt haben.

Graach, Wehlen & Zeltingen-Rachtig

Der Nachbarort Graach mit seinen Lagen „Domprobst“, „Himmelreich“ und „Josephshöfer“, die einst vorwiegend im kirchlichen Besitz waren, weist keltische Ursprünge auf. Die Römer betrieben in der Nachfolge der Kelten den organisierten Anbau von Wein, bis dann später die Franken und die katholische Kirche die Weinberge übernahmen. Zahlreiche kirchliche Institutionen hatten dort Weinbergbesitz. Oberhalb von Graach liegt der kleine Ortsteil „Schäferei“, wo die Winzer aus dem tiefer gelegenen Graach, welches direkt an der Mosel anraint, auf Äckern Feldfrüchte und Gemüse für ihre Selbstversorgung anbauten. Von der gegenüberliegenden Moselseite aus, dem Nachbarort Wehlen, konnten dessen Bewohner auf eine groß dimensionierte Sonnenuhr inmitten von Weinbergen blicken, die der ehemalige Bürgermeister Jodocus Prüm (1807–1876) dort errichten ließ.

Nicht weit von Graach und Wehlen entfernt gelangen wir nach Zeltingen, vermutlich ebenfalls keltischen Ursprungs. Zeltingen und Rachtig, welche seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. eine kurkölnische Enklave inmitten des Trierer Kurfürstentums waren, verloren diesen Status unter der französischen Herrschaft. Indes zeugt von der Kölner Zeit das kurkölnische barocke Amtshaus. Inmitten der Weinberge der „Zeltinger Sonnenuhr“ — südlich von Zeltingen — versuchten die Kölner Bischöfe, ihre wertvolle Enklave vergeblich zu sichern, übrig geblieben sind nur Ruinen. Vorbei somit die Zeiten, als die Kölner, welche schon seit römischen Zeiten Moselwein importierten, ungehindert einen direkten Zugriff auf einige der besten Weine der Mosel hatten.

Ürzig und Erden

Von Zeltingen-Rachtig aus, die Mosel aufwärts, gelangen wir nach Ürzig und Erden mit ihren Weinbergen aus rotem Ryolith und Konglomeraten. Vor 272 Millionen Jahren bewirkten das trocken-heiße Wüstenklima sowie das Einbrechen der Wittlicher Senke die Auffaltungen des Schiefergebirges mit den Höhenunterschieden zwischen Eifel und Hunsrück. Des Weiteren wurden Sedimente durch die sich ständig verändernden Mäander der Flüsse allseitig verteilt. Im heißen und trockenen Klima entstand derart aus eisenhaltigen Mineralen der rote Mineral Hämatit. Es verleiht dem Rotliegenden der „Wittlicher Senke“, an deren Rand Ürzig liegt, seine Farbe. Die Elemente des Rhyoliths in den Gesteinen sind vulkanischen Ursprungs. Dadurch entstand sogenannter Rhyolith-Tuff. Die Weine vom „Ürziger Würzgarten“ und „Erdener Prälat“ beeindrucken daher durch ihre besondere Mineralität und ebenfalls durch Ausdrucksstärke bestimmter tropischer Fruchtaromen.

Traben-Trarbach

Im 19. Jahrhundert erlangte die Doppelstadt Traben-Trarbach den Ruf einer der international bedeutendsten Weinhandelsstätten zu sein. Nach Bordeaux war es der zweitgrößte Weinhandelsumschlagsplatz in Europa. Hier kauften holländische Kaufleute Wein ein und exportierten ihn in die gesamte Welt. Noch heute zeugen die großen Weinkeller und die Gebäude im Jugendstil von dieser einstigen Blütezeit. Dabei profitierten die Bewohner der protestantischen Enklave Traben-Trarbach auch von ihren guten Beziehungen zu den preußischen Eliten.

1792 kehrte auch Goethe (1749-1832) zum Zeitpunkt des Rückzugs der Soldaten des Weimarer Herzogs vor den französischen Revolutionstruppen in Traben-Trarbach ein, um sich dort mit Wein und Speisen für die weitere Reise zu stärken.

Pündereich und Briedel

Die Ortschaften Pünderich und Briedel markieren den Abschluss der Mittelmosel. Über Pünderich thront die alte Marienburg die vermutlich im 11. bis 12. Jahrhundert auf den Fundamenten einer alten kurtrierischen Burg errichtet wurde.

Eine Mauer stützt den Weinberg. Auf den Weinberg Reiler Falklay befindet sich ein Haus

Weinberg bei Reil

Karte der Großlagen Badstube, Münzlay, Schwarzlay, Nacktarsch & Vom Heißen Stein

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1 Wittlicher Klosterweg
2 Wittlicher Portnersberg
3 Wittlicher Bottchen
4 Wittlicher Felsentreppchen
5 Wittlicher Lay
6 Wehlener Nonnenberg
15 Graacher Abtsberg
19 Wehlener Klosterberg

Quellen & interessante Literatur

Apelt, Katja (2019): VDP.Grosse Lage The Book. Erschienen in VDP.Die Prädikatsweingüter.

Krebiehl, Anne (2019): The Wines of Germany. Erschienen Erschienen in Infinite Ideas Limited. Ausschnitt in Google Books.

Johnson, Hugh & Pigott, Stuart (1995): Atlas der deutschen Weine, Lagen, Produzenten, Weinstrassen. Erschienen in Hallwag-Verlag.

Braatz, Dieter & Sautter, Ulrich & Swoboda, Ingo (2007): Weinatlas Deutschland. Erschienen in Hallwag-Verlag. Ausschnitt in Google Books.

Johnson, Hugh & Robinson, Jancis (2015): Der Weinatlas. Erschienen in Hallwag.

MacNeil, Karen (2015): The Wine Bible. Erschienen in Workman Publishing. Ausschnitt in Google Books.

Moselwein e.V. (2007): Terroir an Mosel, Saar und Ruwer.

Ausonius, D. Magnus: Mosella. Erschienen in Reclam.

Mittelmosel Karte des Weinbaus

Die Karte unten fasst die Weinberge aller drei Großlagen zusammen. Auf dieser Mittelmosel-Karte des Weinbaus erkennt man also die wichtigsten Lagen und Orte der Region. Wenn Sie die Karte kostenfrei verwenden möchten, wenden Sie sich bitte an folgende E-Mail-Adresse: info@vinaet.de.

Mittelmosel Karte auf der man Weinberge erkeent. Die Weinbaukarte basiert auf den Lagen-Klassifikationen des 19. Jahrhunderts. Man erkennt den Fluss Mosel, Dörfer, Straßen und Wälder.