Riesling

Auch bekannt als: Rheinriesling, Weißer Riesling, Johannisberger

Riesling ist eine Rebsorte aus deren Trauben Weißweine hergestellt werden. Die Besonderheit der Rebsorte ist die enorme aromatische Komplexität sowie das elegante Spiel der Aromen. Wer sich mit Riesling beschäftigt, begibt sich auf eine nicht enden wollende Entdeckungsreise in die Welt der Aromen. Schon bei einem Schluck hochwertigen Rieslings erkennt man, wie sich abwechselnd unterschiedliche Aromen über einen langen Zeitraum abwechselnd im Mund förmlich ausbreiten, um dabei einen nicht enden wollenden Nachhall zu verursachen.

Trinkgenuss

Beim Trinkgenuss gilt es zu beachten, die Weine kühl zu genießen. Gute Trinktemperaturen liegen zwischen 4 und 14 Grad Celsius. Das Belüften des Rieslings ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Wer sich mehrere Flaschen Wein zusammen mit Freunden gönnt, sollte auch darauf achten, leichtere Weine, d. H. trocknere bzw. aromatisch dezentere Weine, vor schwereren, also süßeren bzw. aromatisch intensiveren Weinen zu trinken. Wenn man nach einem süßen Weinen einen trockenen Wein trinkt, kann es passieren, dass die Aromen einfach nicht transportiert werden können.

Riesling Aromen Traube in gold-gelber Farbe illustriert

Folgende Grundregeln können den Spaß am Riesling erhöhen:

  • leicht vor schwer
  • trocken vor süß
  • Schaumwein vor Riesling Stillwein vor Rosé vor Rotwein

Gerade bei guten Rieslingen ab dem Kabinett lohnt es sich, zwei bis drei Jahre oder gar zehn bis 40 Jahre bis zum Öffnen der Flasche zu warten. Tendenziell gilt, je höher der Riesling in der Qualitätspyramide angesiedelt ist und desto süßer er ist, desto länger sollte man mit dem Öffnen der Flasche warten. Auslesen, Beerenauslesen oder Eisweine benötigen auch mal gut und gerne zehn bis 30 Jahre, um ihr Potential entfalten zu können.

Dann erweitern sie ihre ohnehin schon umfangreiche aromatische Komplexität um Aromen, die man ansonsten nur selten im Wein findet. Die Farbe wandelt sich von einem hellen gelb zu einem bernsteinfarbenen tiefen Gold. Solche Weine eignen sich nicht nur zum reinen Trinkgenuss, sondern können auch sehr gut mit etwas kräftigeren Speisen und Desserts kombiniert werden.

Eine alte restsüße Auslese lässt sich zum Beispiel auch herrlich mit gebratenem Lachs oder vergleichbaren Fischspeisen kombinieren. Allerlei weniger, mal stärker aromatische Käsesorten, lassen sich gut mit einer Flasche  trockenen bis restsüßen Riesling kombinieren. Auch gebratenes oder gegrilltes Gemüse kann gut zu solchen Weinen passen.

Trockene Rieslinge, welche vermehrt in den Trend kommen, lassen sich sehr gut mit hellem Fleisch, Fisch, oder Salaten kombinieren. Empfehlenswert sind dabei z. B. eine Spätlese trocken oder eine Auslese trocken. Letztere sind auch als sogenannte Große Gewächse bekannt. Da Winzer in Deutschland vermehrt Erfahrungen im Ausbau trockener Weine sammeln und es mehr technische Möglichkeiten gibt, verbessert sich die Qualität trocken ausgebauter Rieslinge ständig. So gab es an der Mosel im Jahr 2019 erstmals 100 Parker Punkte für einen trockenen Riesling.

Vom Weinberg Schlossboeckelheimer Felsenberg blickt man geradeaus in ein Tal. Dort fließt der Fluss Nahe. Zur linken Seite des Flusses türmen sich Weinberge auf. Auf der rechten Seite des Flusses im Tal türmen sich Wälder auf. Im Hintergrund liegt der Ort Oberhausen an der Nahe.

Ein Morgen am Schlossböckelheimer Felsenberg an der Nahe

Weintyp

Lange Zeit war Riesling vornehmlich für exzellente süße Weine bekannt. Im 19. Jahrhundert waren die Top-Rieslinge von der Mosel, der Nahe oder dem Rheingau in Sachen Reputation auf einem Level mit den französischen Rotweinen aus Bordeaux. Schon immer konnten Rieslinge aufgrund der Kombinationen von Säure, Extrakt und Süße häufig während Jahrzehnte langer Reifezeiten in der Flasche an Qualität gewinnen. Wenn der Riesling in der Flasche reift mag er an Spritzigkeit und Frische verlieren. Der Wein gewinnt jedoch an Tiefe, aromatischer Vielfalt und Eleganz.

Wie bei allen Weinen stehen Alkoholgehalt und Zuckergehalt auch bei dieser Rebsorte in einem Abhängigkeitsverhältnis. Schließlich wird der Zucker in Alkohol umgewandelt.

Je mehr Zucker in Alkohol umgewandelt wird, desto weniger Zucker bleibt in der finalen Weinflasche übrig. Infolgedessen haben trockene Weine oft mehr Alkohol als süßere Weine. Solche trockene Weine sollen auch schon im 19. Jahrhundert in hoher Qualität hergestellt worden sein. Trockene Weine haben am wenigsten Zucker. Es folgen halbtrocken, feinherb, lieblich und süß.

Daneben muss der Winzer darauf achten, dass das Verhältnis von Süße und Säure passt. Je süßer der Wein, desto mehr Säure beinhaltet er in der Regel. Je mehr Säure ein Wein im Verhältnis zum Zucker hat, desto weniger süß wirkt er. Feinherbe Weine können genauso viel Zucker wie liebliche Weine beinhalten. Da feinherbe Weine jedoch mehr Säure enthalten, wirken sie lange nicht so süß wie liebliche Weine.

Dagegen sind Weine mit mehr mit Süße im Verhältnis zur Säure oft zugänglicher. Mehr Säure im Verhältnis zum Zuckergehalt kann als Frische, Spritzigkeit oder Knackigkeit wahrgenommen werden. Manch ein feinherber Wein kommt beinahe schon wie ein trockener Wein daher. Die Verhältnisse zwischen Zucker, Alkohol, Säure und Extrakt sind mitentscheidende Faktoren im sensorischen Bild des Rieslings. Insgesamt lässt die Rebsorte den Winzern viel Spielraum bei der Gestaltung ihrer Weine, was zu einer großen Vielfalt von Riesling-Geschmacksbildern beiträgt. Dem Weintrinker gibt dies viel Spielraum, um mit einer einzigen Rebsorte verschiedene Weinstile zu entdecken.

Was trockene Rieslinge angeht, gab es in den vergangenen Jahrzehnten mehr und immer bessere trockene Weine. Je trockener der Riesling ist, desto stärker sind salzige, würzige, kräutrige oder generell mineralische Aromen bemerkbar. Mit zunehmender Süße kommen mehr fruchtige Aromen hervor. Dabei ähneln diese Aromen mit zunehmender Süße auch vermehrt reiferen Früchten oder getrockneten Früchten und Honig. Eine ähnliche Entwicklung findet mit einem zunehmendem Alter der Riesling-Flasche statt. Bei lagerfähigen Riesling-Weinen handelt es sich oft um Spätlesen, Auslesen, Beerenauslesen, Eisweine oder Trockenbeerenauslesen.

Früher war es aufgrund von fehlender Wärme in vielen Jahren schwierig genügend Süße in den Trauben auszubilden, um die Säure im Wein auszubalancieren. Bei solchen Weinen übertönte die Säure andere Aromen, welche oft noch nicht einmal richtig ausgebildet waren. Um die Säure auszugleichen wurde oft die sogenannte „Süßreserve“ hinzugegeben. Gerade Mosel, Saar, Ruwer und Nahe hatten regelmäßig mit überhöhten Säuregehalten zu kämpfen. Bisher zumindest kommt der Klimawandel gerade den kälteren Weinregionen insgesamt noch entgegen.

Die Trauben profitieren weiterhin von langen Reifezeiten, sodass sie enorm viel Extrakt anreichern können. Gerade in wärmeren Gegenden gibt es jedoch auch schon Probleme mit den zunehmenden Temperaturen. Manchmal muss früher geerntet werden. Das bedeutet, dass die Trauben dann nicht voll ausgereift sind. Ansonsten wäre es schwierig die Nachfrage nach trockenen Weinen zu decken.

Was die eigentlichen wahrgenommenen Aromen angeht, gibt es wie oben beschrieben eine enorme Vielfalt zu entdecken. In der Nase beim Riechen, also im Bukett, kommen oft Aromen von Rosenwasser, Geißblatt, Zitrusblüten, Honig oder nassem Schiefer hervor. Auch hier gilt, dass z.B. Honig oder Düfte von Trockenfrüchten, Rosinen, Feigen, Datteln oder Marmeladen eher bei reiferem und süßerem Riesling entstehen. Gereifte trockene Weine zeigen dagegen eher  eine intensive und umfassende Mineralität in Form von Würze und Salzen wie z.B. dem Algarve-Salz oder dem Himalaya-Salz.

Bach, Riesling im Weinglas auf Holzklotz, Gräser, Bäume, Sonnenstrahlen

Riesling Aromen

© Kenichi-Maximilian Pestemer. Für kostenfreie Nutzung der Infografik bitte Anfrage an: info@vinaet.de.

Herkunft und Verbreitung

Die erste Erwähnung der Rebsorte Riesling gab es im Jahr 1435 in Rüsselsheim. Auf einer Rechnung wurde die Rebsorte als „riesslingen in den wingarten“ erwähnt. Im Mittelalter verbreitete sich der Riesling an Rhein und Mosel. Bekannt war der Anbau im Rheingau am Schloss Johannisberg. Bis zum späten 18. Jahrhundert wurde der Anbau des Rieslings in vielen Regionen gefördert oder sogar gesetzlich vorgegeben. So geschah es durch den Trierer Kurfürsten Wenzelaus an der Mosel. Dennoch hatte der Riesling lange Zeit zu kämpfen. Die Rebsorte, die global von Weinexperten, Sommeliers und Weintrinkern vielleicht sogar als die Weißwein-Rebsorte mit dem größten aromatischen Potential angesehen wird, wurde bis in die 1980er Jahre immer weniger angebaut.

Erst seitdem hat mit der zunehmenden Qualitätsfokussierung eine Renaissance des Rieslings begonnen. Dazu beigetragen haben neue Erkenntnisse im Anbau der Reben und dem Ausbau der Weine. Außerhalb von Deutschland findet man hochklassige Riesling-Weine in Luxemburg, dem französischen Elsass, in Tschechien, der Slowakei, dem italienischen Südtirol, den USA oder Neuseeland und vielen weiteren Ländern.

Abstammung

Der Riesling ist eine natürliche Kreuzung zwischen Traminer, Vitis sylvestris und Weißem Heunisch. Es wird vermutet, dass der Riesling in Wildrebenbeständen am Rhein zwischen Bingen und Basel entdeckt wurde.

Anspruch beim Anbau

Damit der Riesling sein Potential voll entfalten kann, benötigen seine Trauben Reifezeiten von optimaler Dauer. Er muss voll ausreifen, ohne überreif zu sein. Überreife Riesling-Trauben bilden zwar sehr viel Zucker aus, gerade an Säure kann es jedoch fehlen. Außerdem haben sie oft keine perfekte „aromatische Reife”. Optimale Reifezeiten sind in den kühleren nördlichen Anbauregionen der Weinwelt gegeben.

Gerade in den Zeiten vor dem Klimawandel führten die langen Reifezeiten immer wieder dazu, dass er unreif geerntet werden musste. Damit er ausbalanciert war, musste Zucker hinzugefügt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Rebsorten erzielt der Riesling in Steillagen die besten Ergebnisse. In diesen Steillagen ist die Bewirtschaftung jedoch mühsam und teuer. Dort ist eine maschinelle Bewirtschaftung in den meisten Fällen nicht möglich.

Charakteristische Merkmale

  • Die Triebspitze des Rieslings ist grün-gelblich. Hinzu kommt eine leichte weiße Behaarung, welche man bei näherer Betrachtung erkennt. Die Triebspitze kann auch orange-rötliche Elemente enthalten.
  • Im Vergleich zu anderen Rebsorten ist das Blatt von mittlerer Größe und drei- bis fünflappig.
  • Die Trauben sind klein und dicht aneinandergedrängt. Optimalerweise reifen die Trauben möglichst spät.

Reife

  • späte Reife bei hohem Qualitätsanspruch

Ansprüche

  • benötigt steinige Böden, die nährstoffarm sind

Ertrag

  • hoch bis niedrig

Vorteile

  • absolute Topqualitäten möglich
  • selbst bei höheren Erträgen sind gute Qualitäten möglich
  • enorme Vielfalt an Stilen
  • kann Terroir und Typizität sehr gut abbilden
  • Riesling ist in der gesamten Weinwelt für seine Qualität bekannt
  • vergleichsweise resistent gegenüber Wasserknappheit
  • oft Jahrzehnte lange Haltbarkeit mit dabei steigender Qualität

Nachteile

  • späte Reife (zumindest im Massenbereich)
  • stiellähmeanfallig im Anbau
  • stielfäuleanfällig im Anbau
  • botrytisanfällig im Anbau
  • Trauben sind anfällig gegenüber „Sonnenbrand“
  • braucht oft mehrere Jahre, um seine volle Qualität zu entfalten
  • generell anspruchsvoll
Auf diesem Bild kann man die jungen Blätter erkennen.

Toplagen des Rieslings

Über die Jahrhunderte der Weinbaugeschichte hinweg haben sich einige Toplagen für die Kultivierung der Rieslingrebe herauskristallisiert. Auf diesen Weinbergen wird seid Jahrhunderten primär Riesling angebaut. Dementsprechend können die Winzer auf enorme Erfahrungswerte zurückgreifen, um die gewünschten Ergebnisse zu erreichen. Dabei kommen Weinfans und insbesondere den Rieslingfans folgende Weinberge in den Kopf:

Franken

Würzburger Stein

Mittelrhein

Bopparder Hamm

Hermannshöhle

Traiser Bastei

Monzinger Frühlingsplätzchen

Forster Kirchenstück

Schloss Johannisberg

Hattenheimer Pfaffenberg

Rüdesheimer Berg

Von oben blickt man über den Weinberg Pündericher Marienburg auf den Fluss Mosel und den Ort Pünderich am anderen Ufer des Flusses.

Nachmittag Pündericher Marienburg an der Mittelmosel

Was Weinexperten über Riesling denken

Jancis Robinson in The Oxford Companion to Wine Fourth Edition (S. 612)

„Riesling has for long been arguably the world’s most undervalued, often mis-spelt, and certainly often mispronounced grape. Riesling is the great variety of Germany and could claim to be the finest white grape variety in the world on the basis of longevity of its wines and their ability to transmit the characteristics of a vineyard without losing Riesling’s own imitable style….”

Hugh Johnson in Der Kleine Johnson Weinführer 2020 (S. 24)

„Die großartigste, vielseitigste Weißweintraube…“

Rajat Parr und Jordan Mackay in The Sommeliers Atlas of Taste (S. 299)

“The appreciation of Riesling’s particular magic simply requires a comprehension of scale. Riesling’s versatility and outrageous expressiveness expand over different order of magnitude than any other grape. It’s like when the football field is used to show the brevity of human existence compared to the history of the earth.

The entire 100-yard field represents earth’s history, while the appearance of humans occurs at a mere half inch from one end zone. Well, consider the ripening window of most grapes to be the brief blip of human existence; they must be picked at a certain time to make great wine. Riesling? It’s the whole field. No other grape can be picked anywhere on that entire massive span while making epic wine and expressing terroir.”

Quellen & interessante Links

Udolph, Jürgen (2014/2015): Woher hat der Riesling seinen Namen.Auch in: Suevia Pannonica. Archiv der Deutschen in Ungarn 41/42 (2014/2015), S. 191-205.

Krebiehl, Anne (2019): The Wines of Germany. Erschienen Erschienen in Infinite Ideas Limited. Ausschnitt in Google Books.

Johnson, Hugh & Robinson, Jancis (2015): Der Weinatlas. Erschienen in Hallwag.

Parr, Rajat & Mackay (2018): The Sommelier’s Atlas of Taste: A Field Guide to the Great Wines of Europe. Erschienen in Ten Speed Press.

Feuriger Sonnenuntergang am Schloss Johannisberg im Rheingau

Im Vordergrund fließt der Fluss Rhein. Am Ufer mit Bäumen und Ort Oestrich-Weinkel, erkennt man den Weinberg Schloss Johannisberg mit herbstlicher Färbung auf dem gleichnamigen Weinberg. Man erblickt einige Häuser und Gebäude auf den Weinbergen. Diese wurden von den Zisterzienser-Mönchen erbaut. Der Himmel oben ist orange und bläulich gefärbt.