Rheinhessen entfaltet im Herbst eine einzigartige Schönheit

Rheinhessen – eine Weinregion geprägt von Innovation und JungwinzerInnen

Die Weinregion Rheinhessen hat die größte Anbaufläche aller deutschen Anbaugebiete. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man dort ein Vielzahl von unterschiedlichen Weintypen findet. Seit den 1990er Jahren fokussiert man sich dort immer mehr auf Qualität. Dafür sind auch immer mehr JungwinzerInnen verantwortlich, die die Weinregion gemeinsam voranbringen wollen. Dabei schrecken sich nicht vor innovativen Veränderungen zurück.

 

Geschichte

Die Weinregion Rheinhessen kann eine sehr lange Geschichte und Weintradition vorweisen. Ähnlich wie in vielen anderen Weinbaugebieten gab es unter den Römern die ersten Ansätze für die Herstellung von Wein. Allerdings wurde rund um Bingen, Ingelheim und Mainz wahrscheinlich nur Wein für den unmittelbar lokalen Bedarf hergestellt.

Gesicherte archäologische Nachweise fehlen noch. Nachweislich soll es seit dem 5. Jahrhundert Weinanbau in Rheinhessen geben, gefolgt von Weinanbau durch die Herrscher Burgunds sowie den Franken unter den Merowingern. Schließlich übernahmen mehr und mehr kirchliche Institutionen den Weinanbau.
So schenkte Karlmann, ein Sohn von Karl Martell, dem Begründer der Karolinger-Dynastie, im Jahre 742 die Lage „Glöck“ bei Nierstein dem Bistum Würzburg. Karl Martels Enkel, Karl der Große (742-814), verfügte u. a. über einen Kaisersitz bei Ingelheim. Von dort aus breitete sich der Weinanbau unter seiner Ägide im heutigen Rheinhessen weitflächig aus. 

In der Nachfolgezeit der Karolinger entwickelte sich der Weinanbau in schwankenden Zyklen; mal wuchs er, mal ging er zurück. Letztendlich vergrößerten sich indes die Weinanbaufläche. Im Jahr 843 wurde das heutige Rheinhessen im Vertrag von Verdun Ludwig dem Deutschen zugeschlagen. Damals genoss die Region, in denen zwei der drei Kaiserdome in Mainz und Worms standen, eine gewichtige geopolitische Bedeutung. Carl Zuckermayer bezeichnete Rheinhessen daher im Film „Des Teufels General“  als „Die Kelter Europas“.

Auf diesem Weinberg in Rheinhessen steht ein Turm

Ausblicksturm in Ölberg bei Wöllstein

Nach dem Ende der napoleonischen Epoche in Europa fand im Jahre 1815 der Wiener Kongress statt, mit dem Europa neu geordnet wurde. Das französische Department Donnersberg wurde Teil des Großherzogtums Hessen. Damit weitete das Großherzogtum seine Besitzungen auf das linksrheinische Gebiet aus. Dieses Gebiet wurde Rheinhessen benannt. Im Jahre 1968 wurde Rheinhessen als Regierungsbezirk aufgelöst. Dessen ungeachtet wurden die meisten Orte und Gemeinden des ehemaligen Regierungsbezirkes Rheinhessen bis 1969 dem heutigen Weinanbaugebiet Rheinhessen zugeordnet.

Im Jahre 1402 tauchte der erste gesicherte Nachweis für den Rieslinganbau auf. Dies war ein Anzeichen für eine ansteigende Qualität des Weinanbaus. Gleichzeitig tauchte die Bezeichnung „unser lieben Frauen Milch“, also der „Liebfrauenmilch“, für den Rheinhessen-Wein auf. Diese Bezeichnung wird Wormser Kapuziner-Mönchen zugeschrieben, die rund um den Liebfrauenstift der Wormser Liebfrauenkirche Weinreben angebaut hatten. Damals stand der Name noch für beeindruckende Qualität. Die Süßweine von dort genossen ein ähnlich hohes Ansehen wie ihre Pendants aus dem Rheingau oder der Mosel.

Es wurde eine Marke geschaffen, die international aufgrund ihrer Qualität ein vergleichbares Ansehen genoss. Auf diesen Zug sprangen über Jahrhunderte hinweg weitere Händler und Produzenten mit einer allerdings nunmehr immer schlechteren Qualität auf. Vor allem wurde bis in die 1990er Jahre vermehrt immer mehr billiger Süßwein verschiedenster Marken exportiert. Bis heute schaden diese Produkte dem Image, der Nachfrage und dem Preis von Weinen aus Rheinhessen und darüber hinaus Wein aus Deutschland allgemein.

Kirchturm; Bäume; Weinberg; blau-grauer Himmel

Kirchturm

Dies ist typisches Porphyr-Gestein mit seinen verschiedenen farblichen Ausprägungen.

Vulkanisches Rhyolith-Gestein

Böden

Eingerahmt vom Rhein und den Mittelgebirgen liegt Rheinhessen inmitten des Mainzer Rhein-Main-Becken. Unter diesem lagern die sogenannten Rotliegend-Gesteine, welche nur im Südwesten des Anbaugebietes und bei Nierstein an der Oberfläche auftreten. Es sind kalkhaltige Feinsand-Ablagerungen. Neben fruchtigen Aromen erzeugt dieses Gestein eine ansprechende Mineralik, die geschmacklich als Salz, Kräuter oder Würze wahrgenommen wird. Besonders ausgeprägt sind diese mineralischen Bestandteilen in trockenen Weinen zu verspüren.

In der Regel stoßen wir in den Weinbergen Rheinhessens auf Böden aus Löss, Lehm, Flussterassen, Auensedimenten sowie Hangsedimenten. 70 % der Böden bestehen aus Löss, Lehm, Ton und Mergel. Meistens sind die Böden auffällig kalkhaltig. In den Flusstälern wie der Selz oder am Rhein entdecken wir zahlreiche Auensedimente. Kalkhaltige Löss- und Mergelböden eigenen sich bekanntermaßen hervorragend für Burgunderrebsorten. Auf diesen derartig guten Lagen können mineralische Weine mit vielfältigen Aromen hergestellt werden.

Im Westen rund um Siefersheim prägen vulkanische Rhyolithböden die Weinterroirs. Die hier wachsenden Weine beeindrucken durch ihre steinigen, von Feuerstein geprägten rauchigen Aromen nebst klassischen Fruchtaromen.

Wege in gelben, orangenen und Roten Weinbergen; Wolken am Himmel

Goldenes Horn: Weinberg im Herbst

Klima in Rheinhessen

Rheinhessen ist eines der wärmeren Weinanbaugebiete in Deutschland. Das Gebiet wird allseits durch sie umgebende Mittelgebirge vor kühlen Winden geschützt. Im linksrheinischen Nordwesten liegt der Hunsrück; im Westen befindet der Nordpfälzer Bergwald. Im Norden schützen Hügel und Wälder des Taunus nicht nur den Rheingau, sondern auch Rheinhessen vor kalten Winden. Im Osten bietet der Odenwald Schutz; der Rhein wirkt zudem wärmend und mäßigend, sodass sich in diesem Becken ein geschütztes für den Weinbau förderliche Klima entfaltet.

Die Mittelgebirge rund um Rheinhessen bewirken das Aufsteigen von Wind und Wolken, wodurch sich diese in den Mittelgebirgen abregnen. Dies führt letztlich insgesamt zu einer geringeren Bewölkung in Rheinhessen mit der Zeitigung des positiven Ergebnisses von rund 1.600 Sonnenstunden pro Jahr. Dies verdeutlicht, warum die durchschnittliche Temperatur in der Vegetationsperiode bei 17 °C liegt. Die Niederschläge variieren zwischen 500 ml und 650 ml. Die geringen Niederschläge verringern zwar den Pilzdruck, können in trockenen Jahren aber auch zu Trockenstress bei den Reben führen. 

In den westlichen und nordwestlichen Randzonen sind die Niederschläge teilweise noch etwas höher. Weiter östlich sind die Niederschläge hingegen geringer.

Bekannte Weinberge Rheinhessens

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