Gelbe Weißwein-Traube des Chardonnay mit grünem Hintergrund;

Quelle: Pixabay & eigene Illustration

Chardonnay

Auch bekannt als Morillon

Typisch für Chardonnay ist das buttrige Mundgefühl gepaart mit Aromen von Äpfeln. Diese Rebsorte zählt vermutlich zu der weltweit am meisten verbreiteten Weintrauben. Bekannt sind vor allem die Chardonnay-Weine aus dem Burgund. Zudem wird Chardonnay in zahlreichen Schaumwein-Cuvées, Champagner oder Crémant „verschnitten“.

 

Wein

Da die Chardonnay-Rebe weltweit verbreitet ist und den Kellermeistern einen erheblichen Spielraum für ein individuelles Design einräumt, kann sie die Weinliebhaber immer wieder mit einem großen Strauß von vielfältigen Aroma-Nuancen überraschen. Typische Aromen sind gelbe Äpfel, Sternfrucht, Ananas, Pfirsich, Limone und Vanille.
Chardonnays können darüber hinaus durch den Ausbau in Eichenfässern an aromatischer Komplexität hinzugewinnen. Dabei sollten die Aromen der Eichenreifung jedoch nicht zu intensiv sein, um somit nicht die restlichen Aromen in den Hintergrund zu drücken.
Im warmen Westaustralien schmecken die Weine oft nach reifem Pfirsich, Mandarine und riechen nach Geißblatt. Kalifornische Chardonnays beeindrucken durch eigenwillige Muskataromen oder durch eher tropische Aromen wie Melone, Banane oder Mango.

Deutsche Chardonnays aus Rheinhessen oder der Pfalz lassen den Weintrinker an Aromen wie Melonen, junge Äpfel, Limonen-Schalen, Zitrusfrucht oder Stachelbeere erinnern. Angebaut auf Muschelkalk erhalten sie außerdem eine typische Kieselstein-Mineralität.

Vom Weinberg Schlossboeckelheimer Felsenberg blickt man geradeaus in ein Tal. Dort fließt der Fluss Nahe. Zur linken Seite des Flusses türmen sich Weinberge auf. Auf der rechten Seite des Flusses im Tal türmen sich Wälder auf. Im Hintergrund liegt der Ort Oberhausen an der Nahe.

Trinkgenuss

Die Weine sollten kühl – zwischen 6 und 12 Grad Celsius – getrunken werden. Eine Belüftung der Weine ist nur selten sinnvoll. Es kann aber durchaus sinnvoll sein, zwei bis drei Jahre bis zur Öffnung der Flasche zu warten.
Wenn Chardonnay in Eiche ausgebaut wird, sollte geduldig auch mal fünf bis zehn Jahre oder länger bis zur Öffnung zugewartet werden. Bei hochwertigen Chardonnays findet man fast immer Eichenaromen wie zum Bespiel Vanille oder Kokosnuss. Während der Flaschenreifung können sich neue Aromen entwickeln, wodurch ein Chardonnay die Chance erhält, ein ansprechenderes Genussprofil heranzubilden.
Chardonnay eignet sich exzellent dazu, um ihn mit dezenteren Speisen zu kombinieren, ideal mit Fisch und Meeresfrüchten, ebenfalls mit aromatisch dezenteren Käsesorten. Kräftigere Chardonnays mit mehr Körper sollten hingegen mit intensiver schmeckenden Speisen kombiniert werden.

Herkunft und Verbreitung

Chardonnay ist eine Kreuzung aus Spätburgunder (Pinot Noir) und Heunisch (Guais blanc). Der Heunisch wurde von den Römern wahrscheinlich aus dem süd-östlichen römischen Imperium (heutiges Kroatien) in den nordwestliche Teil (heutiges Frankreich) eingeführt. Im Mittelalter wurden Pinot Noir und Guais blanc häufig dicht beieinander angepflanzt, mit der Folge einer spontanen Kreuzung der beiden Rebsorten.

Da Chardonnay spätestens in den 80er Jahren eine Nachfrageboom erlebte und die Rebsorte vielfältigste Methoden beim Ausbau der Weine zulässt, verbreitete sie sich schnell rund um die Welt. 

Durch den Einfluss der Neuen Welt änderte sich in dieser Zeit das Weinmarketing hinsichtlich der Etiketten. Anstelle eines Weins aus Burgund oder Napa wendeten sich die Weintrinker dem Cabernet Sauvignon oder Chardonnay zu. Dies ermöglichte dem Chardonnay auch außerhalb von den Weinanbaugebieten des Burgund, der Champagne oder der Loire Fuß zu fassen.

Schließlich ermöglicht es diese Rebsorte ebenfalls Topqualitäten zu kreieren, und zwar überall dort, wo er bei möglichst langen Reifezeiten genügend Zucker, Säure und Extrakt bilden kann.

Chardonnay ermöglicht es somit Weinproduzenten den Wein stärker den Bedürfnissen des Kunden entsprechend zu „designen“. So können diese Weine dem Grauburgunder gleich auch milder und zugänglicher moduliert werden. Dabei gehen aber häufig die Charakteristika, Einzigartigkeiten sowie Ecken und Kanten, was Charakter-Weine auszeichnet, verloren. Die wichtigsten Anbauländer für Chardonnay sind: Frankreich, die USA, Australien, Italien, Chile, Südafrika, Spanien, Argentinien und Moldawien.

In Deutschland wurden in 2018 rund 2100 Hektar mit Chardonnay bepflanzt. Damit ist sie die am siebtmeisten angebaute Weißweinrebsorte. Damit wird sie wohl in den kommenden Jahren den Kerner hinter sich lassen. Mit jeweils rund 750 Hektar sind Rheinhessen und die Pfalz die beiden wichtigsten Chardonnay-Anbaugebiete in Deutschland. Es werden jedoch auch am Kaiserstuhl in Baden größere Flächen mit Chardonnay bepflanzt.

Weinberg Sausenheimer Honigsack beim Sonnenuntergang am frühen Abend. Am blauen Himmel der Weinregion Pfalz sind Wolken. Man erkennt einige Bäume auf dem Weinberg von dem bekannte Pfälzer Weine kommen.

Anbau

Chardonnay gilt als vergleichsweise leicht kultivierbare Rebsorte. Er kann sich gut an unterschiedliche Bedingungen anpassen und zeitigt sowohl in kühleren Regionen wie Luxemburg als auch in wärmeren Regionen wie z. B. Kalifornien gute Resultate. Selbst bei Erträgen von bis zu 80 Hektoliter pro Hektar ermöglicht der Chardonnay die Produktion von hochwertigem Wein.

Chardonnays lassen sich auf vielfältigste Weise ausbauen, wodurch sie dem Winzer einen großen Gestaltungsspielraum erlauben. Ein Risiko beim Anbau stellt allerdings der frühe Austrieb der Knospen dar, wodurch Chardonnay anfällig für Frühjahrsfröste ist.

Charakteristische Merkmale

  • Hat große Gemeinsamkeiten mit dem Weißburgunder
  • Etwas früherer Austrieb
  • Mittelgroßes Blatt
  • „fünfeckiges Blatt“
  • Kaum gelapptes Blatt, maximal dreilappig
  • Wollig behaarte Triebspitze
  • Mittelgroße Trauben 

Reife

  • mittelspäte Reife

Ansprüche

  • benötigt warme Lagen
  • mittelschwere Böden
  • Böden mit ausreichend Wasserspeicherkapazität

Ertrag

  • mittelhohe Erträge
  • Stabilere Erträge im Zeitverlauf

Vorteile

  • vergleichsweise gute Festigkeit gegen Winterfröste
  • relativ resistent gegen Botrytis
  • ermöglicht in Toplagen absolute Spitzenerzeugnisse
  • gut geeignet zur Herstellung von Schaumweinen

Nachteile

  • leichte Blüteempfindlichkeit
  • verstärkter Befall durch Traubenwickler
  • anfällig für Phythoplasmen
Rebstöcke im Weinberg Kirchheimer Steinacker in der Pfalz; bewölkter Himmel

Was internationale Weinkritiker vom Chardonnay denken

Janics Robinson und Julia Harding in The Oxford Companion to Wine (Fourth Edition) (S. 159-161):

„Chardonnay has for long been the sole vine responsible for all of the finest white burgundy. […] It is perhaps fitting that a variety so governed by the whims of fashion should have seen considerable stylistic changes in the sorts of wine sought by its legion of fans. Until the mid-1990s, rich, oaky varietals were height of modishness, but this has been followed by a trend towards leaner, more appetizing, and definitely less oak-dominated Chardonnays.”

Weinberg beim Sonnenuntergang