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Stories – Weinwissen, Anekdoten und Geschichten

Interview mit Mamuka Maisuradze

Interview zum georgischen Wein mit Mamuka Maisuradze

Das Weinland Georgien blickt wahrscheinlich auf die längste Weinbautradition der Welt zurück. Von dort breitete sich der Weinanbau über Zentralasien, den Nahen Osten und Europa aus. Vor rund einer Dekade kam der Weinenthusiast Mamuka Maisuradze als Student nach Göttingen, wo er sein Studium abschloss. Heute betreibt der Weinenthusiast, der neben georgischen Weinen aus der Qvevri, auch gerne den ein oder anderen Riesling genießt, einen kleinen Weinhandel in Göttingen. Mein Vater Richard und ich, Max Pestemer, haben mit Mamuka ein Interview geführt, in dem er auf die Hintergründe zum georgischen Wein eingeht.

Alte Qvevri, in der früher Wein in Georgien hergestellt wird.

Die Fragen rund um die Qvevri & Co.

Mamuka, was ist denn eingentliche eine Qvevri?

Ein Qvevri ist ein Tongefäß (Fassungsvermögen 10 bis 2000 Liter), was in Georgien traditionell zur Weinherstellung verwendet wird.
Tief im Boden vergraben bleibt das Tongefäß kühl und der Kontakt des Weins mit Sauerstoff gering – optimale Voraussetzungen für eine langsame Vergärung und Reifung des Weines.
Bei archäologischen Ausgrabungen wurden Reste (Scherben) von solchen Qvevris mit Traubensaftrückständen gefunden, die bis in das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden konnten. Es wird daher vermutet, dass diese Art der Weinbereitung in Georgien 7000 Jahre zurückreicht. Somit könnten Georgier zu den ersten gehört haben, die aus Trauben Wein machten.

Wie entsteht Qvevri- Wein?

Die Methode des Weinmachens wie vor ca. 7000 Jahren wurde beibehalten: Trauben werden samt Schalen, Kernen und manchmal auch mit den Stängeln in den Qvevris fermentiert und die Flüssigkeit bzw. der Wein wird monatelang darin aufbewahrt. Die Gärung mit Schalen gibt z. B. dem Weißwein eine Bernsteinartige / Orangefarbene Tönung mit einem hohen Tanningehalt und erdigem Geschmack.

Qvevris im Raum aus Steinmauern
Die georgische Stadt Sighnaghi befindet sich auf einem bewaldeten Berg. Im Hintergrund ist blauer Himmel mit Wolken.
Quelle: Svetlbel / Pixabay

Georgien soll das Geburtsland des Weines sein? Was ist dran an diesem “Mythos”?

Tatsächlich belegen Ausgrabungen, dass die Kunst des Weinmachens in Georgien eine ca. 8000 Jahre alte Tradition hat. Man hat Reste von solchen Qvevris (Tonamphoren) mit Rückständen der Traubensaft gefunden, die ins 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden. Aus dem Grund wird angenommen, dass die Georgier mit die Ersten waren, die aus Traubensaft Wein machten. Seit 2013 gehört die Qvevri-Methode zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Trotz dieser glorreichen Wein-Tradition produzierte Georgien in Zeiten der stalinistischen Herrschaft über das kleine Land hinweg – etwa so groß wie Bayern – hauptsächlich Massenweine für den sowjetischen Markt. Heute jedoch besticht Georgien beim Export in die EU, USA, Japan und China mit einzigartigen landestypischen Weinen von herausragender Qualität? Wie kam es zu dieser erstaunlichen Entwicklung?

Als Georgien ein Teil der großen Sowjetunion war, konnte man bekanntlich eigenständig keine Entscheidungen treffen. Davon war auch die Produktion des Weins betroffen. Denn die Großkellereien waren in staatlicher Hand. Quantität statt Qualität war das Motto. Um die große Nachfrage zu decken, wurde maschinell massenweise qualitativ schlechter Wein produziert.
Nach dem Zerfall des “großen Bruders” wurden viele Großkellereien privatisiert und es entstanden viele Hauskellereien. Die alte georgische Weinherstellungstradition war wieder da. Jeder Winzer konnte den Wein nach persönlichen Präferenzen herstellen. Besonders seit Assoziierungsabkommen mit der EU, wo der georgische Wein den europäischen Boden erreicht hatte und dieser bei Weintrinkern positiv aufgenommen wurde, ist der Import des georgischen Weins in die EU deutlich gestiegen.

Welche Weine werden insbesondere von Deinem Online-Handel angeboten? Was hat es dabei mit dem legendären naturvergorenen Qvevri-Wein auf sich?

Mein großer Wunsch war deutschen Weinliebhabern und allgemein allen Weininteressenten den Wein mit einzigartigem Qvevri Herstellungs-Methode vorzustellen. Ungefiltert, naturbelassen und originell.

Zusätzlich habe ich mehrere Sorten Weine aus unterschiedlichen Mikrozonen eingeführt, die sich charakteristisch und geschmacklich unterscheiden, obwohl alle derselben Rebsorte angehören.

Quellen & interassnte Links

Robinson, Jancis (2015): The Oxford Companion to Wine. Erschienen in Oxford University Press.

Johnson, Hugh & Robinson, Jancis (2015): Der Weinatlas. Erschienen in Hallwag.

Alte Qvevri, in der früher Wein in Georgien hergestellt wird.

Terroir

Rund um das Kloster liegt der gleichnahmige Weinberg; Fluss; Mosel; Bäume; Terroir; bewölkter Himmel; Abend

Was ist Terroir?

Boden

Der Begriff entstammt ursprünglich dem lateinischen Wort „terra“. Dieses wird als Erde, Land, Kontinent übersetzt. Vereinfacht wird das französische „terroir“ als Boden übertragen. Gerade in Bezug auf Wein kann damit die umfassende Bedeutung des Begriffes jedoch nicht erfasst werden.

In mancherlei Hinsicht ist der Begriff Terroir, der bestimmende Begriff in der Welt des Weins! In anderer Hinsicht fehlt oft eine gemeinsam festgelegte Interpretation, es wird viel diskutiert, oder der Begriff an sich wird sogar in Frage gestellt. Mehr dazu werdet ihr in zukünftigen Blogeinträgen finden.

Skizze vom Wein-Terroir

Definitionen

Außerhalb des französischen Weinkosmosses definierte James E. Wilson in seinem Werk „Terroir“ den Begriff. Leeuwen und Seguin erweiterten die Definition: Terroir ist ein umfassender Begriff, der weit mehr umfasst als die Bodenbeschaffenheit. Er umfasst die gesamte Umwelt eines Weinberges und drückt sich in den sensorischen Attributen der Weine aus. Die Vielzahl der Einflussfaktoren besteht aus dem Klima, dem Boden, der Rebsorte, dem Menschen und deren Interaktion miteinander. 

Vereinfacht gesagt, beinhaltet Terroir demnach alle Einflussfaktoren des Weins sowie deren Interaktion miteinander und drückt sich später im Geschmack des Weines aus. Kramer legte den Schwerpunkt auf die zumindest ungefähr mögliche Verortung des Geschmacks „somewhereness“. Dadurch würden sich Terroir-Weine von solchen ohne jenes unterscheiden.

Von der alten Römervilla in Longuich hat man einen vorzüglichen Blick auf den Annaberg.

Terroir Weine

Terroirs können nach französischem Denken einzigartige Weine schaffen. Sie sind jedoch nicht einfach vorhanden. Damit sie die Produktion von Weinen ermöglichen, müssen sie oft erst Schritt für Schritt geschaffen werden. Winzer benötigen Zeit, um die richtigen Rebsorten und die richtigen Klone für die passenden Weingärten zu finden. Es gilt die passenden Bewirtschaftungsweisen in der jeweiligen Lage anzuwenden. 

In Europa war dies ein Prozess, der teilweise über eintausend Jahre gedauert hat. Dank des europäischen Know-Hows in Kombination mit moderner Technik ist es u.a. in Südamerika oder Neuseeland gelungen, diesen Prozess deutlich zu beschleunigen.

Mehr über Weinkultur und Terroir kann man in diesem Artikel nachlesen: Hier klicken.

Am Frauenberg ist es möglich mitten in den Berg hineinzublicken.
Autor: Kenichi-Maximilian Pestemer / Max Pestemer

In Vinaet.de verwirkliche ich meine Passion für das Thema Wein und möchte Sie daran teilhaben lassen.

Weine probiere ich am liebsten blind, um unvoreingenommen zu sein. Riesling & Frühburgunder verzücken mich immer wieder.

Zusammen mit meinem Vater Richard Pestemer genieße ich die Besuche bei den Winzern vor Ort.

Durch die Landschaftsfotografien von Weinanbaugebieten drücke ich meine kreativen und künstlerischen Phantasien bezogen auf die Welt des Weines aus.

Ich freue mich über Ihr Feedback als Besucher. Schreiben Sie mir gerne an info@vinaet.de. An vielen Stellen habe ich das Besucher-Feedback schon einfließen lassen.

Kenichi-Maximilian Porträt im Garten Vinaet

Schiefervielfalt an der Mosel

Dies ist eine sehr bunte Schiefer-Zusammensetzung von der Trittenheimer Apotheke an der Mittelmosel.

Schiefervielfalt an der Mosel

An der Mosel gibt es eine Vielzahl an Schiefern. Diese sind grau, blau, rot, lila. Sie haben nicht nur unterschiedliche Farben sondern beeinflussen auch den Geschmack.

Grauschiefer

Auf der berühmten Wehlener Sonnenuhr wachsen die Reben auf grauen Schiefern.

Dieses Bild stammt von der Wehlener Sonnenuhr. Rieslinge vom Grauschiefer schmecken oft nach Zitrus, Apfel, Kernobst und tropischen Früchten. Gerade im Abgang ist eine deutliche Mineralität erkennbar.

Blauschiefer

Dieser Blauschiefer stammt vom Dhroner Hofberger. Der größte Teil des Hofbergers besteht allerdings aus Blauschiefer.

Gerade im mittleren Bereich des Dhroner Hofbergers findet man Blauschiefer. Hier hat er sogar lilane und orange Anteile. In der Regel ist das Geschmacksbild ähnlich dem Grauschiefer.

Blaugrauer Schiefer

Blaue und graue Schiefer sind für die Mosel typisch.

Blauer und grauer Schiefer finden sich oft gemischt wieder.

Blau-Rosa-Schiefer

Auf der Apotheke findet man allerlei Schiefertypen. Oben im Bereich vom Zummet findet man diesen blau-rosa gefärbten Schiefer.

Nahe Zummet auf der Trittenheimer Apotheke findet man eine eher seltene Ausprägung an der Mittelmosel. Dieser Schiefer ist blau und eisenhaltig. Daher stammt die rosane Farbe.

Ryolith und Rotes Konglomerat

Das Gestein des Ürziger Würzgarten besteht aus sogenanntem Rotliegendem

Dieser “rotliegende” Schiefer befindet sich nahe Ürzig und nahe Schweich. Er ist ebenfalls stark eisenhaltig. Dadurch erhalten die Riesling-Weine ein individuelle Mineralik.

Roter Saarschiefer

Am Wawerner Jesuitenberg findet man den typischen eisenhaltigen Saar-Schiefer.

Dieser Schiefer vom Wawerner Jesuitenberg hat so hohe Eisenanteile, dass er beinahe komplett rot ist. Dadurch entstehen etwas mehr kräutrige Aromen wie z.B. Rosmarin.

Kalkhaltiger Sandstein, Quarzit und Schiefer

Devonschiefer nahe dem Dorf Neef an der Untermosel

Dieser Schiefertyp erstreckt sich von Bremm bis Koblenz. Er hat rote, blaue, rote und lila Töne. Die Weine erhalten ein noch ausgeprägteres blumiges Bukett.

Schiefer der Mosel in der Wissenschaft

Wer mehr über die Entstehung der unterschiedlichen Schiefer wissen möchte, kann sich folgendem Artikel der Uni Trier informieren: Hier klicken!

Autor: Kenichi-Maximilian Pestemer / Max Pestemer

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Knospenaufgang April 2019

Kontrastreicher Sonnenuntergang in Kanzem; Blog Bild für Vinaet

Knospenaustrieb im April 2019

Jährlich im Frühling

Jedes Jahr im Frühling beginnt der Knospenaustrieb. Dieses Jahr gelang es mir, eine Fotoserie zu erstellen. Ihr könnt nachverfolgen, wie während des Osterwochenendes die Knospen ausgetrieben sind. Nachdem die Knospen austreiben, erblühte sie in Grün und Rosa. Allerdings werden die Reben auch frostanfälliger. Daher fürchten die Winzer jedes Jahr die späten Mai-Fröste. Diese können zu ungewünschten Ertragsreduzierungen führen und stellen Weingüter vor ökonomische Herausforderungen.

Im Jahr 2019 hatte ich das Glück Tag für Tag die den Knospenaufgang zu beobachten; Knospenaufgang April 2019

(1) 25.04.2019 – Die Knospe ist verschlossen.

Hier ist die Knospe kurz davor sich zu öffnen.

(2) 26.04.2019 – Die Knospen weiten sich.

Am dritten Tag gingen die Knospen auf.

(3) 27.04.2019 – Die Knospen sind aufgegangen.

Am vierten Tag hatten sich die Knospen schon zu Blättern weiterentwickelt.

(4) 28.04.2019 – Die Blätter entfalten sich.

Auf diesem Bild kann man die jungen Blätter erkennen.
Autor: Kenichi-Maximilian Pestemer / Max Pestemer

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