Die Ruwer ist ein Seitental der Mosel und bekannt für ihre leichten aromatischen Weine

Ruwer – Weine von äußerster Filigranität und Finesse

Neben der Saar bildet die Ruwer das zweite größere Teilanbaugebiet der Mosel-Weinregion. Mit rund 180 Hektar bestockter Rebfläche ist es der kleinste Bereich der Mosel. Im Tal von Sommerau beginnt der Weinanbau, und dieses Tal ist vom Hunsrück umgeben. Von dort aus fließt die Ruwer an Morscheid und Waldrach vorbei. Bei Waldrach mündet das Flüsschen Riveris in die Ruwer. Das Kerngebiet der Ruwer beginnt bei Kasel und verläuft entlang Mertesdorf und Eitelbach. Hinter dem Ort Ruwer mündet der Fluss Ruwer in die Mosel.

In dem Weingebiet gibt es auch viele Kleinstwinzer, die ihre zwei- bis dreihundert Quadratmeter großen Rebzeilen oft noch selber bewirtschaften und die daraus gelesenen Trauben als Weine ausbauen. Zudem unterscheidet sich die Ruwer durch ihr kühleres Klima von den anderen Teilen der Mosel. Spätestens seit dem Ende der 80er Jahre macht sich der Klimawandel an der Ruwer bemerkbar.

In Sommerau beginnt der Weinanbau an der Ruwer

Der Sommerauer Schlossberg liegt am Rande des Ruwertals

Geschichte

Den ersten nachgewiesenen Weinanbau gibt es seit dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus. Im vergangenen Jahrhundert wurde in einem antiken römischen Grabmal bei einer römischen Wasserleitung ein Quader gefunden. Auf diesem Quader, der „Winzer im Weinkontor“, erkennt man einen Treverer mit Weinen und Weinfässern im Hintergrund. Dieses Abbild findet man heute auf vielen Flaschen von Ruwer-Weinen. Das Ruwertal ist seit dem 6. Jahrhundert vor Christus besiedelt gewesen. Möglicherweise gab es auch schon vor dem Jahr Null Weinanbau.

Ab dem 6. Jahrhundert nach Christus gab es Besitz vom Bistum Trier an der Ruwer. Wahrscheinlich dürfte es damals auch kirchlich betriebenen Weinanbau gegeben haben. Das führende Kloster im Weinanbau an der Ruwer war das Benediktinerkloster St. Maximin. Diesem wurde vom Kaiser Otto 1.(912-973) das Weingut Grünhaus mit seinem antiken römischen Weinkeller im Jahr 966 geschenkt. Im Jahr 1335 übernahmen die Karthäusermönche ein Weingut vom Kurfürst Balduin von Luxemburg (1285-1354).

Die Verfügung des Trierer Erzbischofs Wenzelaus, ab dem Jahr 1786 Riesling anzubauen, galt ebenfalls für die Ruwer. Die napoleonische Zeit (1794-1815) mit der Enteignung kirchlicher Weinbesitzungen und der Einführung der französischen “Realteilung” markierte eine einschneidende Veränderung, deren Wirkungen bis heute erkennbar sind. Durch die Enteignung der kirchlichen Weinbergsbesitztümer kamen viele Bürger in den Besitz von Weinbergen.

Bei der Realteilung wird das Erbe zu gleichen Teilen aufgeteilt. Der Großteil der Weinberge wird heute folglich von mittleren und kleineren privaten Weingütern bewirtschaftet. Dies sind oft Familienweingüter, die kleine verstreute Parzellen bewirtschaften.

Boden

Die Böden der Ruwer bestehen größtenteils aus dunklen Devon-Tonschiefern. Meist tritt es in blauer und grauer Ausprägung auf. Die Entwicklung dieses Gesteins lässt sich über 400 Millionen Jahre zurückverfolgen: Damals war das Zeitalter des Devon (vor 408-355  Jahren). Der nördliche Kontinent Laurussia, zu dem auch Mitteleuropa gehörte, und der südliche Kontinent Godwana, dem auch das heutige Afrika zugeordnet wird, lagen sich am Äquator gegenüber. Unterhalb von Laurussia lag eine gigantische Insel: die „Mitteldeutsche Schwelle“. Zwischen dieser Schwelle und Laurussia gab es ein Flachmeer. Es war der sogenannte „Rheinische Trog“.

An der Ruwer gibt es Böden aus dunklem Tonschiefer

Blau-grauer und eisenhaltiger Schiefer im Ruwertal

Von Laurussia bewegten sich vermehrt Sedimente in das Flachmeer. Dadurch wurde das Fundament für das spätere „Rheinische Schiefergebirge“ gelegt. Diese Sedimente glichen mehrmals die gleichzeitige Senkung des „Rheinischen Trogs“ aus: Diese bestand aus Sanden, Tonen und Silten. Als die Senkung des „Rheinischen Trogs“ nachließ, zerbrachen die gestauten Sedimente, sodass sich flache Stellen und tiefe Becken bildeten. Dieser Prozess endete vor ca. 392 Millionen Jahren.

Danach begannen Laurussia und Godwana aufeinander zuzudriften. Dadurch begann sich der Ozean zwischen den beiden Kontinenten zu schließen. Vor ca. 358 Millionen Jahren endete dieser Prozess. Von da an begann das Zeitalter des Karbons (vor ca. 355-290 Mio. Jahren). 

Durch den Aufprall wurden die Sedimente gepresst und gefaltet. Es bildeten sich dadurch die Schiefer heraus. Die Tonsedimente und die Siltsedimente wurden jeweils zu Tonschiefern und zu Siltschiefern. Die Sande wurden zu quarzitischen Sandsteinen. Der neue Kontinent nannte sich Pangäa. Die Mosel lag im Rheinischen Schiefergebirge. Vor ca. 272 Millionen Jahren endete das Wachstum des Rheinischen Schiefergebirges.

Vor ca. 200 bis 65 Millionen Jahren weichte der Schiefer auf und wurde zu großen Teilen zersetzt. Danach begann sich das Schiefergebirge abermals emporzuheben, allerdings um sich wieder zu senken. Vor ca. 15 Millionen Jahren bildeten sich die Grundzüge der heutigen Mosel. Danach begannen sich die Schiefer durch Verwitterung und chemische Prozesse zu verändern.

In den Kaltzeiten bildete sich der heutige schlangenförmige Verlauf der Mosel, die zuvor in einem breiten geradlinigen Tal verlief. Am Ufer der Mosel lagerte sich viel Löss an; an den Hängen vermischte sich hingegen der angewehte Löss mit Lehm und verwittertem Schiefergestein. Erst seit ca. 11.600 Jahren gibt es wieder ein wärmeres Klima an der Mosel und der Ruwer. Heute beeinflusst der Mensch  durch die Schiffbarmachung der Mosel, den von Menschen gemachten Klimawandel und Bodenbearbeitung zusätzlich die Bedingungen an Mosel, Saar und Ruwer.

Nur durch einen kleinen Feldweg wird der Herrenberg von Mertesdorf getrennt

Der Mertesdorfer Herrenberg mit Regenwolken im Hintergrund

Klima

Mit einer Durschnittstemperatur von unter 10 °C ist die Ruwer eines der kältesten Anbaugebiete in Deutschland. Der Fluss entspringt im kühlen Mittelgebirge des Hunsrücks. Von dort oben aus wehen kühlende Winde das Tal hinab bis zur Mündung der Mosel. Diese Winde wehen von Südwesten aus direkt auf die bestockten Lagen. Im Hochsommer schwächen sich diese Winde ab. Ca. 1.550 Sonnenstunden im Jahr sorgen dennoch für ausreichende Wärme, um die Trauben voll ausreifen zu lassen. Mit rund 800 mm gibt es an der Ruwer vergleichsweise hohe Niederschläge. Das kommt der Region in warmen und trockenen Jahren entgegen.

Im April und Mai besteht jedoch eine erhöhte Gefahr von Frühjahrsfrösten in der Nacht, denn es ist in der Region verglichen mit der Mosel kühler. Insgesamt sind die Winter mild und die Sommer ausreichend warum, um Reben zu kultivieren. Hinzu kommen vergleichsweise hohe Tag-Nacht-Temperaturunterschiede. Die Weine der Ruwer sind meist sehr leicht und mineralisch und glänzen dennoch gerade wegen der örtlichen klimatischen Bedingungen durch aromatische Komplexität.

Rebsorten

Die Steilhänge der Ruwer sind zu mehr als 90 % mit Rieslingreben bepflanzt. Mit rund 3 % folgt der Spätburgunder und Müller-Thurgau macht nur einen Prozent aus. Die Auswahl der Rebsorten ist ein starkes Indiz für qualitäts-fokussierten Weinanbau.

Weinbaukarte der Ruwer

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