Das Leiterchen gilt als eine der besten Lagen der Obermosel.

Nitteler Leiterchen – Weinberg unter dem Dolomitfelsen

Weinort Nittel

Nittel gilt als der alte Mittelpunkt des Elblinganbaus an der Obermosel. Der knapp 2700 Einwohner große Weinbau-Ort liegt an einer herrlichen Moselschleife. Man erkennt sie auf dem Bild oben. Die Gegend soll schon seit der Steinzeit besiedelt worden sein. Der Weinbau kam vor rund 2000 Jahren mit den Römern in das Weindorf. Heute werden rund um den Ort knapp 300 Hektar Reben von circa 25 Winzern bewirtschaftet. 

Nitteler Fels

Besonders markant ist das Felsmassiv im Norden des Ortes, welches als Nitteler Fels bekannt ist. Dort werden seit dem römischen Zeitalter Reben auf Muschelkalk kultiviert. Daneben bestehen die Böden aus Mergel und Lehmbestandteilen. Das imposante Dolomitfelsmassiv beim Weinberg „Nitteler Leiterchen“ ist ein Zeuge dessen, dass hier vor rund 240 Millionen Jahren im Zeitalter des oberen Muschelkalks eine Meeresbucht existierte. In dieser Epoche der Erdgeschichte setzten sich muschelreiche Ablagerungen aus Ton, Silt und Sand ab. Über Jahrmillionen hinweg verdichteten sie sich zum Dolomitgestein.

Wasserquellen im Weinberg

Dies hat bewirkt, dass wasserführende Quellen an einigen Stellen oberhalb der Felskante entspringen. Diese herunterlaufenden Wassermengen ermöglichen somit eine gute Wasserversorgung des Weinberges. Es gibt jedoch auch unterhalb der Weinbergsflächen des Nitteler Leiterchen Wasserläufe, die mitten im Weinberg hervorquellen und dort für eine ausreichende Bewässerung sorgen. Diese kleinen Weinbergsquellen treten jedoch nur an einigen Stellen auf und haben eine begrenzten Wirkungsradius.

Bodenvielfalt

Eine Besonderheit des Weinbergs ist, dass die Bodenzusammensetzung selbst innerhalb einer Parzelle sehr unterschiedlich sein kann. Sowohl an den Muschelkalk- als auch an den Schiefer-Weinbergen der Mosel liegen gewöhnlich mehrere Meter dicke steinige Lehmschichten über dem Felsgestein. So besteht der steinige Anteil der Lehmschicht im Leiterchen oft aus kleinerem Muschelkalkgestein oder Kiesel.

An einigen Stellen ist das Nitteler Leiterchen mit einer sehr hohen und steinigen Lehmschicht bedeckt. Dies rührt auch daher, dass der Weinberg früher durch Muschelkalk-Trockenmauern in Terrassen unterteilt wurde. Später entschieden sich die Nitteler Winzer jedoch auf diese Trockenmauern zu verzichten, rissen diese ab und arbeiteten das Gestein der Mauern an vielen Stellen in die Weinbergsböden ein.

Dann gibt es wiederum Parzellen, die nur durch eine rund 30 Zentimeter dicke steinige Lehmschicht bedeckt sind. Darunter befindet sich das harte schwer durchdringbare Dolomitgestein. Gerade dort müssen junge Reben umso härter kämpfen, um sich mit ihrem Wurzelwerk im Weinberg zu verankern. Bei neu angelegten Rebanlagen ist daher zusärtzliche Pflege notwendig.

Geographie

Das Nitteler Leiterchen liegt am rechten Moselufer nördlich des alten Weinbauortes Nittel (siehe Bild oben). Der Weinberg ist hängig bis steil und nach Südwesten ausgerichtet. Durch diese Ausrichung wird die Lage am deutschen Moselufer mit genügend Sonnenwärme versorgt.
Auf dieser Moselseite beginnt das Leiterchen am Ende der Moselschleife südlich des Ortes Wellens und des Wellenener Altenbergs. Der Ort Wellen liegt hinter den bewaldeten Felsen der Moselschleife am rechten Ufer auf dem Bild oben. Auf der gegenüberliegenden linken Moselseite erkennt man das luxemburgische Ufer des Ortes Machtum. Dort verläuft auch die Route du Vin, also die Straße des Weins. Diese Straße folgt der Moselschleife durch das luxemburgische Weinanbaugebiet.

Weine vom Nitteler Leiterchen

Burgunder-Weine

Die Böden unterhalb des massiven Felsmassivs sind sehr kalkreich und bieten dadurch optimale Voraussetzungen für den Anbau von Burgunderrebsorten. Hier können Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay oder Auxerrois genannt werden. Schließlich findet man Boden-Bedingungen, die mit denen der Pfalz, des Burgund oder der Champagne vergleichbar sind. Dadurch ist ist möglich tiefgründige trockene Weine mit einer sehr langen Lagerfähigkeit herzustellen. Daneben entstehen am Nitteler Leiterchen Crémant-Schaumweine, deren Qualität mehr als überzeugend ist.

Elbling

Dabei darf der Obermosel-Klassiker, nämlich der Elbling, nicht vergessen werden. Der Elbling ist ein besonderer Bestandteil in den Crémants. Gerade wenn der Elbling ertragsreduziert ausgebaut wird, ist er in der Lage das Terroir der südlichen Weinmosel mit aller Klarheit im Wein abzubilden. Dies gilt sowohl für Schaumweine als auch für Stillweine.

Verschiedene Parzellen

Dabei entstehen durch die zuvor angesprochen großen Unterschiede in der Parzellen verschieden ausgeprägte Weine. Die Weine in den lehmigeren Parzellen sind häufig voluminöser. Sie strotzen also mehr vor Kraft, sodass sie mit stärkeren Fruchtaromen ausgestattet sind. Die Parzellen mit den dünnen Lehmschichten glänzen dagegen durch eine feinere und intensivere Säurestruktur. Auch die Mineralität ist dort stärker ausgeprägt. Die Nitteler Winzer machen sich dies oft zu Nutze, indem sie die verschiedenen Eigenschaften der einzelnen Parzellen harmonisch verbinden. Dadurch kann die elegante Frucht mit der mineralischen Struktur verbunden werden.

Weingüter

Ein Beispiel dafür sind die Nitteler Winzer Matthias und Jonas Dostert. Während der Vater Matthias eher dem klassischen Stil der Obermosel zugeneigt ist, findet man im Portfolio seines Sohnes Jonas kaum bis gar nicht geschwefelte Naturweine. Sie machen dadurch das Nitteler Leiterchen geschmacklich erfahrbar!

 
Auf der anderen Seite gegenüber des Nitteler Leiterchen an der Obermosel befindet sich Luxemburg.