Merlot

Sanfter Genuss

Diese Rebsorte stammt aus Bordeaux. Sie ist bekannt für ihre Aromen, die an helle und dunkle rote Früchte erinnern, ihre geschmeidigen Tannine, welche ein schönes Mundgefühl verursachen können, und den weichen Abgang. Gute Merlot-Rotweine lassen dabei nicht an aromatischer Komplexität und an einem gewissen Spiel vermissen.

Gerade in den 90er Jahren war die Rotweintraube unter den hochqualitativen Weinen eine Trendrebsorte. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde er vom Spätburgunder als Rebsorte hoher Qualität, die im internationalen Trend liegt, abgelöst. Für Liebhaber exquisiter Tropfen empfiehlt sich dann auch der Frühburgunder.

Merlot-Rotwein Traube mit Blättern
Quelle: Pixabay & eigene Illustration

Merlot Weintyp

Boom in den 90ern

Der Merlot-Boom in den 90er Jahren führte dazu, dass große Hersteller auf den Zug aufsprangen und vermehrt günstige und schlichte Merlot-Weine herstellten. Daher hat er den Ruf ein „Cabernet Sauvignon für Beginner“ zu sein. Damit wird man allerdings der Rebsorte nicht gerecht. Aufgrund ihrer hohen Qualität war sie im Bordeaux des 19. Jahrhunderts schon recht schnell nach ihrer Entdeckung der wichtigste Partner zur Herstellung der Bordeaux-Cuvées der Spitzenklasse.

Merlot Geschmack & Merlot trocken

Generell wird Merlot trocken ausgebaut und haben eine angenehme Säure, die stark genug ist, um dem Wein die notwendige Spannung zu geben. In wärmeren Regionen wie Südaustralien oder Kalifornien erhalten die Rotweine durchaus auch Aromen von süßen dunklen Kirschen, süßen Pflaumen, getrockneten roten und dunklen Früchten sowie gebackener Schokolade. Gerade Weine die länger in der Flasche lagern, entwickeln sich staubige Aromen oder sogar Aromen von rauchendem Tabak und gebratenem roten Fleisch. Die Kombination der Aromen kann einen ganz eigenes Geschmacksgefühlt führen.

In kühleren Regionen wie z. B. der Pfalz oder Rheinhessen entstehen eher Aromen von roten Früchten wie z. B. Erdbeere, Kirsche oder Johannisbeere. Daneben kann man Aromen von Lorbeerblättern, Weihrauch oder Salbei erkennen.

Glas Merlot-Rotwein wird vor Wald und Himmel im Hintergrund geschwenkt. Es handelt sich um einen trockenen Rotwein.

Trinkgenuss

Temperatur & Belüftung

Ein Merlot-Wein sollte zur Entfaltung seiner Aromatik zwischen 15 und 20 Grad Celsius, also bei Zimmertemperatur, genossen werden. In der Regel sollte die Flasche zumindest eine halbe Stunde lang belüftet werden, um mehr aus dem Wein heraus zu kitzeln. Die Belüftung ist wie bei jedem Rotwein Geschmackssache. Wer es etwas knackiger, rauer und kantiger mag, trinkt den Wein ohne Belüftung.

Reifung & Speisen

Bei guten Merlots empfiehlt es sich durchaus, auch mal mehrere Jahre mit dem Öffnen der Flasche zu warten. Diese Entwicklungszeit hilft ihm, sich noch besser zu entfalten. Gerade leichtere Merlots lassen sich innerhalb des Rotwein-Spektrums gut mit Speisen kombinieren. Entgegen der Regel lässt sich diese Rotwein-Rebsorte sogar mit Huhn oder hellem Fleisch kombinieren.

Dabei sollte auf entsprechende Gewürze und Soßen geachtet werden. Weitere Kombinationsmöglichkeiten sind gebratenes Gemüse oder Tomaten.
Rheinhessen entfaltet im Herbst eine einzigartige Schönheit

Herkunft und Verbreitung

Ursprung

Die Rebsorte Merlot ist eine natürliche Kreuzung aus Magdeleine Noire des Charentes und Cabernet Franc. Die Herkunft von der Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes wurde erst zum Beginn dieses Jahrhunderts entdeckt.

Erstmals erwähnt wurde französische Rebsorte im Jahr 1784 bei einem Wein aus der Libournais-Gegend. Diese Gegend gehört zur Weinregion Bordeaux. Der Wein galt damals als einer der besten in dieser Region. Unter dem Namen „Merlot“ wurde die Rebsorte erst 1824 bekannt.

Damals wurde die Rebsorte unter diesem Namen in einem Artikel über Weine aus Médoc erwähnt, nämlich, dass die Rebsorte nach einem kleinen schwarzen Vogel, der Merle, benannt wurde. Ein Vogel, der in der Region Bordeaux heimisch ist.

Verbreitung

Von Frankreich aus breitete sich die Rebsorte in Europa und später in der „Neuen Welt“ aus. Heute ist das größte Anbaugebiet weiterhin Frankreich gefolgt von Italien (Toskana, Campagne), die USA (Kalifornien, Washington), Australien (Süden), Chile und Argentinien. Die globale Verbreitung der französischen Rotwein-Rebsorte führte auch schon zur Frage, ob der globale Genuss dieses Rotweins ein Symbol für die Globalisierung sein könnte1.
In Deutschland sind knapp 700 Hektar bestockt, mit steigender Tendenz. Damit ist es die am achtmeisten angebaute Rotweinrebsorte. In der Pfalz und in Rheinhessen findet man die größten Anbauflächen der Rebsorte.
Weinberg Deidesheimer Reiterpfad in der Pfalz mit Bergen, Wald und Wolken

Anbau

Im Vergleich zum ebenfalls aus Bordeaux stammenden Cabernet Sauvignon reift der Merlot rund zwei Wochen früher. Die Rebsorte hat ein gutes Wachstum und lässt Trauben recht schnell ausreifen. Dadurch eignet sich Merlot auch für wärmere Hänge in kühleren Anbauregionen.

Dennoch ist sie in der Lage, sehr gute Qualitäten zu ermöglichen. Da die Rebsorte geringe Ansprüche an den Boden hat, kann sie sich an unterschiedliche Gegebenheiten anpassen. Problematisch kann vor allem das frühe Aufgehen der Knospen sein, wodurch die Rebsorte anfällig für Frühjahrsfröste wird.

Charakteristische Merkmale

  • die Triebspitze ist hellgrün, filzig behaart und hat einen leichten roten Rand
  • die Blätter sind drei- bis fünflappig
  • zahnige Blätter
  • mittelgroße Beeren, die konisch aneinander liegen
  • schwarzblaue Beeren
  • langer Traubenstiel

Reife

  • mittelspät

Ansprüche

  • die Rebe stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden
  • ungeeignet für frostgefährdete Lagen
  • ausreichende Wasserversorgung notwendig

Ertrag

  • schwankende Erträge, auf Dauer durchschnittlich

Vorteile

  • geringe Ansprüche an Boden
  • geringe Anfälligkeit für Pernospora
  • geringe Anfälligkeit für Botrytis
  • Topqualitäten möglich
  • sehr gut als Cuvée-Partner mit anderen Rebsorten geeignet

Nachteile

  • anfällig für Spätfröste
  • anfällig für Winterfröste
  • stark schwankende Erträge
  • empfindlich für Trockenheit
  • Vögel lieben die Beeren
Dieser Rebstock wird offenbar rekultiviert

Merlot Rotwein: Was internationale Weinkritiker vom denken

Janics Robinson und Julia Harding in The Oxford Companion to Wine (2015: 459-461), Fourth Edition
“[…] Merlot Noir, black grape variety originally associated with great wines […] good quality wine variety […] premier variety for blending with much younger grape variety Cabernet Sauvignon […]”2

Madelaine Puckette in winefolly.com 

“It’s time to set the record straight: Merlot wine is first class. Merlot wine is regarded as the underdog to Cabernet Sauvignon. How come? Because cheap commercial Merlot has given the varietal a bad reputation. It’s time to set the record straight: Merlot wine is first class. Not only does it command the highest respect in the wine world, Merlot also tastes great with food.”3

Hugh Johnson in Der Kleine Johnson Weinführer (2020: 16)

„Die Traube hinter den großen, duftigen, pflaumenwürzigen Weinen von Pomerol und St. Èmillion […] teils Weltklasse […]“4

Quellen & interessante Links

1. Lee, Kyuho (2009): Is a glass of Merlot the symbol of globalization?: An examination of the impacts of globalization on wine consumption in Asia. Erschienen in International Journal of Wine Business Research, Band 21 (3), S. 258-266.

2 Robinson, Jancis (2015):The Oxford Companion to Wine. Erschienen in Oxford University Press.

4 Hugh, Johnson (2019): Der kleine Johnson Weinführer 2020. Erschienen in Hallwag Verlag.
Sonnenuntergang am Forster Pechstein, Weinberge, Ort Wachenheim, Hügel, Burgturm der Wachtenburg